Energieinseln in der Nord- und Ostsee

Dänemark, Belgien, Deutschland und die Niederlande planen den Bau von Energieinseln, um die Offshore-Windenergie auszubauen und zu bündeln. Dänemark will die ersten Energieinseln in der Nord- und Ostsee bis 2030 errichten. Weitere Unternehmen und Länder arbeiten ebenfalls an solchen Projekten, wie zum Beispiel der Netzbetreiber TenneT.

Dänemark

1920 hat Dänemark im Parlament beschlossen, dass sie in der Nordsee eine künstliche „Energieinsel“ errichten wollen – etwa 80 Kilometer von der dänischen Küste entfernt. Es ist das größte Bauprojekt der dänischen Geschichte, die Kosten werden auf umgerechnet fast 30 Milliarden Euro geschätzt. Den Planungen zufolge soll die Insel zwischen 120.000 und 460.000 Quadratmetern groß werden, das würde maximal der Größe des Vatikans oder des Münchner Oktoberfests entsprechen. Auf drei Seiten sollen hohe Mauern die Insel vor der stürmischen See schützen, die vierte soll als Anlegestelle für Wartungsboote dienen.

Zunächst sollen die Kapazitäten der Anlagen auf der aufgeschütteten Nordseeinsel ausreichen, um drei Gigawatt Leistung pro Jahr zu speichern und ans Festland weiterzuleiten – genügend Strom für sämtliche der drei Millionen dänischen Haushalte. Geplant ist jedoch schon jetzt, die Leistung der Energieinsel als Stromverteiler langfristig auf zehn Gigawatt auszubauen. Dadurch könnten insgesamt circa zehn Millionen Haushalte in Europa mit Strom versorgt werden.

Allein für den Bau der künstlichen Nordseeinsel sind Kosten von insgesamt rund 252 Milliarden Kronen (umgerechnet etwa 34 Milliarden Euro) kalkuliert worden. Die Investitionen und die künftigen Gewinne für das Projekt wollen sich Dänemark und Deutschland teilen. Weitere Anrainerstaaten sollen, sobald die Energieinsel und die neu errichteten Windparks am Netz sind, zum Projekt dazustoßen können.

Dänemark hat mit der Errichtung von zwei Energieinseln begonnen. Sie sollen als Energie-Verteilstationen dienen und die Weiterleitung von Strom, der in Offshore-Windparks erzeugt worden ist, auf das europäische Festland vereinfachen. Auch Deutschland und Belgien planen ähnliche Projekte. 

 Deutsche und belgische Energieinseln geplant

Auch in Deutschland und Belgien gibt es Pläne für künstliche Energieinseln in der Nordsee: So plant das deutsch-niederländische Unternehmen Tennet, 130 Kilometer vor Sylt eine Energieinsel zu errichten, die gemeinsam mit der neuen dänischen Energieinsel in der Nordsee einen Energiehub bilden soll.

Ende 2022 gab der belgische Netzbetreiber Elia zudem bekannt, dass er 45 Kilometer vor Belgiens Küste eine Energieinsel aufschütten wird, die „Prinzessin-Elisabeth-Insel“ heißen soll. Von ihr aus sollen künftig 3,5 Gigawatt Leistung aus dem benachbarten, gleichnamigen Windpark via Seekabel nach Belgien, England, Dänemark und in andere europäische Länder fließen.

Fest steht schon jetzt: Jedes der vier Projekte in Dänemark, Deutschland, Niederlande und Belgien wird die Europäische Union ihrem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, ein weiteres Stück näher bringen. Schließlich sind erneuerbare Energien der Schlüssel zur Klimaneutralität – und Onshore- und Offshore-Windkraft sind neben Photovoltaik zwei tragende Säulen der Energiewende.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) und Elia Transmission Belgium (ETB) haben 2024 einen Vertrag über eine grüne Kreditfazilität von 650 Mio. Euro unterzeichnet. Die Zeremonie fand in der Werft im niederländischen Vlissingen statt, in der die Fundamente für die Insel hergestellt werden.

Der Erlös dient der Realisierung der ersten Phase des Projekts Princess Elisabeth Island. Die erste künstliche Energieinsel der Welt wird zwischen 2024 und 2027 etwa 45 km vor der belgischen Küste errichtet. Die belgische Energieinsel ist für die belgische und europäische Energiewende von entscheidender Bedeutung und wird dazu beitragen, große Mengen Windenergie von der Nordsee zu den Verbrauchszentren auf dem Festland zu bringen.Durch die Integration von 3,5 Gigawatt an zusätzlicher Offshore-Windkraftleistung in das belgische Stromnetz wird die Prinzessin-Elisabeth-Insel mehr als drei Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

 Megaprojekt „Bornholm Energy Island“

Im Rahmen des Projekts „Bornholm Energy Island“ entsteht für rund neun Milliarden Euro vor der Ferieninsel Bornholm derzeit nicht nur ein riesiger Offshore-Windpark, der ab 2030 jährlich zwei Gigawatt Leistung liefern soll. Auf der Ostseeinsel selbst hat zudem die Errichtung eines Energiezentrums begonnen, das den vor Bornholm produzierten Windstrom sammeln und mittels eines 470 Kilometer langen Seekabels zum dänischen Festland sowie nach Deutschland weiterleiten soll. Ein entsprechender Vertrag wurde im vergangenen Jahr vom dänischen Netzbetreiber Energinet und dem deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz unterzeichnet.

Allianz und CIP wollen Energieinseln bauen  

 Allianz und Finanzinvestor Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) lwollen zwei Energieinseln im Meer namens Nordsee-Energieland und Dogger-Energieinsel bauen. Die Pläne für diese jeweils rund 50 Hektar großen künstlichen Nordsee-Inseln haben Allianz und CIP als Anträge beim deutschen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eingereicht, wie die Behörde gegenüber dem „Spiegel“ bestätigte.. Dort soll künftig mithilfe des in den umliegenden Offshore-Windparks erzeugten Stroms grüner der Wasserstoff entstehen.

Der Bau soll bis Ende 2032 abgeschlossen sein und zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro kosten. Auf den geplanten Inseln solle der Strom von umliegenden Offshore-Windparks gebündelt und dann an Nordsee-Anrainerstaaten geleitet werden, berichtete der „Spiegel“ weiter. Alternativ könne der Strom direkt auf den Inseln genutzt werden, um mit Hilfe von Elektrolyse grünen Wasserstoff zu erzeugen.Die beiden Projekte „Nordsee-Energieland“ und „Dogger-Energieinsel“ sind laut „Spiegel“ die ersten Großvorhaben dieser Art in deutschen Hoheitsgewässern.

Die Inseln sollen mehr als 150 Kilometer vor der Küste in der ausschließlichen Wirtschaftszone errichtet werden. Dort kann der deutsche Staat in begrenztem Umfang souveräne Rechte wahrnehmen und so Ressourcen für die Energiegewinnung ausbeuten.

Updated on 16. November 2025