Containerschiff Ever Given im Suezkanal

1. Einführung

Das Bild zeigt, wie der Schneidkopf-Saugbagger arbeitet. Er schneidet den Lehm am Bug der Ever Given mit seinen Schneidkopf und pumpt das Wasser-Lehm-Gemisch über einen schwimmenden Schlauch weiter hinten in eine Schute (Quelle Kanalbehörde).

Das Containerschiff Ever Given blockierte den Suezkanal vom 23. März 2021 an für sechs Tage, nachdem es bei starkem Wind und schlechter Sicht auf Grund gelaufen war.

Dieser Vorfall führte zu einem globalen Stau von Hunderten Schiffen und gravierenden Störungen der internationalen Lieferketten und des Welthandels. Die Ever Given konnte am 29. März wieder freigeschleppt werden, wobei eine Kombination aus Schleppern und einer höheren Flut half.

Die Blockade führte Schätzungen zufolge zu einem täglichen Transportaus-fall von Ladungsgütern im Wert von über neun Milliarden US-Dollar.

Luftbild vom Kanal und dem Containerschiff.  (Foto Kanalbehörde).

2. Schneidkopfsaugbagger MASHHOUR

So arbeitet der Schneidkopfsaugbagger MASHHOUR  und arbeitet den Sand am Bug der Ever Given mit seinen Schneidkopf frei, der angesaugt und über einen schwimmenden Schlauch weiter hinten als Wasser Sand-Gemisch in den Kanal gepumpt wird (Foto Kanalbehörde). Der zur Suez-Kanal Verwaltung gehörende Schneidkopfsaugbagger MASHHOUR, mit 140 m ü. a., 22,4 m Breite und 3000 kW Cutterleistuung, von IHC Holland im Sept 1996  an die Suezkanalbehörde in Ägypten übergeben, wird zum Freibaggern eingesetzt.

Hier in diesem zusammengesetzten Bild ist der hintere Bereich des Schneidkopfsaugbaggers sichtbar, der zur Betätigung des Schneidkopfes dient. Mit den Stahlseilen wird die Tiefe eingestellt.

 

Die MASHHOUR ist einer der der größten und leistungsstärkste Schneidkopfsaugbagger seiner Art in der Welt und wurde entwickelt und gebaut, um bei der Verbreiterung und Vertiefung des Suezkanals sehr abrasiven Sand mit Kies, verdichtetem Sand, klebrigem Lehm und Felsen zu baggern, damit auch größere Schiffe passieren können.Er ist auf keinen der Satellitenbilder sichtbar, aber auf den Videos sind Details zu erkennen (Foto Tagesschau)

Schneidkopfsaugbagger MASHHOUR, von IHC Holland im Sept 1996  an die Suezkanalbehörde in Ägypten, links unten ist der Schneidkopf sichtbar (Foto Kanalbehörde)


3. Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM), Pressenotiz vom 28. März 2021

Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) als technischer Manager der EVER GIVEN (IMO: 9811000) arbeitet weiterhin eng mit Smit Salvage und der Suez Canal Authority (SCA) zusammen, um die Bemühungen zum Wiederflottmachen des Schiffes zu koordinieren.

Hier erkennt man die Größenverhältnisse zwischen Bagger und dem Bug der Ever Given (Foto Kanalbehörde)

Die Baggerarbeiten wurden den ganzen Tag über fortgesetzt, und weitere Versuche, das Schiff wieder flott zu machen, werden heute Abend fortgesetzt, sobald der Schlepper zusammen mit den 11 bereits vor Ort befindlichen Schleppern sicher in Position ist. Zusätzlich sind neben Vertretern der SCA auch Bodenexperten vor Ort, um bei den weiteren Bergungsarbeiten zu beraten. Ein zusätzliches Baggerschiff, die THSD Causeway, die in Zypern registriert ist, ist ebenfalls auf dem Weg zum Einsatzort, um zusätzliche Baggerkapazitäten bereitzustellen. Das Schiff wird voraussichtlich bis zum 30. März 2021 eintreffen. Sobald das Schiff wieder flott ist, wird es einer vollständigen Inspektion unterzogen, und BSM wird bei allen Untersuchungen voll mit den Behörden kooperieren.

Die ALP Guard, ein in den Niederlanden registrierter Spezialschlepper, ist heute vor Ort eingetroffen, um bei den laufenden Wiederflottmachungsarbeiten zu helfen.

4. Boskalis-Chef: Bug liegt im Suezkanal „wie ein Wal auf dem Strand“

„In der Nacht zum Montag war mit Hilfe eines schweren Schleppers das Heck vom Boden losgelöst worden. Dadurch konnte das 400 Meter lange Schiff um 20 Grad drehen. Von Vorteil war dabei die hohe Flut bei Vollmond in der Nacht zum Montag. Das schwierigste sei nun aber die Loslösung des Bugs, so der Boskalis-Chef. Der liege „wie ein Wal auf dem Strand“.

Die Berger hoffen nun, mit Hilfe eines weiteren Schleppers im Laufe des Tages das Schiff völlig zu befreien. Sollte das nicht gelingen, müssten möglicherweise doch Container abgeladen werden. Das ist nach den Worten des Experten sehr zeitraubend. Der Dienstleister Inchcape Shipping hatte zuvor mitgeteilt, das 400 Meter lange Schiff sei am frühen Montagmorgen um 4:30 Uhr (Ortszeit) „in schwimmenden Zustand“ gebracht worden und werde nun gesichert.“

Auch der Kanaldienst leister Leth Agencies erklärte, das Schiff sei nur teils freigelegt worden und der Bug liege noch auf Grund. Die Aussichten auf eine vollständige Freilegung seien jedoch „vielverspre-chend“, schrieb Leth Agencies.

Die Kanalbehörde teilte mit, die „Ever Given“ sei zu 80 Prozent bewegt worden. Das Heck befinde sich nun etwa 100 Meter vom Ufer entfernt. Bei der nächsten Flut am Montagmittag solle das Schiff komplett in Fahrtrichtung gebracht werden. Wann die „Ever Given“ ihre Fahrt in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Rotterdam im Kanal fortsetzen kann, war nach der Erfolgsmeldung zunächst unklar. Ebenfalls unklar blieb zunächst, wann die wichtige Wasserstraße wieder zur Durchfahrt freigegeben werden kann. Laut Kanalbehörde hatten zehn Schlepper aus vier Richtungen seit dem Morgengrauen versucht, das gewaltige Schiff zu bewegen.

5. Schaden

Die Blockade führte Schätzungen zufolge zu einem täglichen Transportausfall von Ladungsgütern im Wert von über neun Milliarden US-Dollar. Die Kanalbehörde kündigte nach der Beendigung der Sperrung des Kanals eine Schadenersatzforderung für die Kosten der Befreiung des Schiffs und die Einnahmeausfälle an. Zur Sicherung der sich schließlich auf rund 900 Millionen US-Dollar belaufenden Forderung wurde das Schiff beschlagnahmt und einschließlich Ladung und Besatzung im Großen Bittersee festgehalten. Später wurde diese Forderung auf 550 Mio. US-Dollar reduziert. Die vertragliche Verantwortung für Schäden aus Unfällen im Suezkanal liegt nach Medienangaben beim Kapitän des betreffenden Schiffs.

Am 20. Juni gab die Behörde SCA bekannt, dass der japanische Schiffseigner ein Entschädigungsangebot über 150 Mio. US-Dollar gemacht hat. Am 23. Juni verkündete der Versicherer UK P&I, dass man eine grundsätzliche Einigung über die Schadensersatzzahlung erreicht habe. Die Höhe der vereinbarten Entschädigung wurde nicht genannt. Die entsprechenden Verträge wurden am 7. Juli unterzeichnet und das Schiff konnte nach 3 1/2 Monaten seine Fahrt fortsetzen.

6. Informationen zum zeitlichen Ablauf

In der folgenden Dokumentation wurde der zeitliche Ablauf mit Text und viel Bildern dokumentiert

Updated on 7. Januar 2026