Grünes Kraftwerk Nordsee
1. Einführung
Ausbauziele: Geplant sind in der Nordsee bis 2050 Offshore Windräder mit rund 300 GW Nennleistung. Konkret sieht die am 1. Januar 2023 in Kraft getretene Novelle des Windenergie-auf-See Gesetzes (WindSeeG) für Deutschland Zielkapazitäten von mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045 vor. Das zeigt die folgende Abbildung. Quelle: Wind-auf-See-Gesetz (WindSeeG)
2. Ausschreibungen
Das Wind-auf-See-Gesetz (WindSeeG) trat im Januar 2023 in Kraft. Am 20. Januar 2023 legte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) einen neuen Flächenentwicklungsplan vor, der regelt, wo in der Nord- und Ostsee gebaut wird. Am 31. Januar schrieb die Bundesnetzagentur (BNetzA) den Bau von Windparks mit einer Kapazität von sieben Gigawatt aus.

Danach folgte eine weitere Ausschreibung für Parks mit zusammen 1,8 Gigawatt. 2024 sind zwei Ausschreibungen mit acht bis neun Gigawatt vorgesehen. 2025 und 2026 sollen es jeweils drei bis fünf Gigawatt sein und ab 2027 jeweils vier Gigawatt. Das Ziel ist eine Gesamtkapazität von 40 Gigawatt bis 2035 und von 70 Gigawatt bis 2045.

3. Infrastruktur
Da der OTB in Bremerhaven als Offshorehafen nicht gebaut wurde, verbleibt in Deutschland nur Cuxhaven als geeigneter Umschlagshafen. Daher sind im Hinblick der gepanten Windrad-Installationen weitere Anstrengungen bezüglich geeigneter Häfen in Deutschland nötig.
3.1 Errichterschiffe
Ein weiterer Engpass in Europa und den Weltmarkt werden die Errichterschiffe sein, besonders im Hinblick auf die zukünftigen 15- MW-Windräder, die bisher nur von einer Handvoll Installationsschiffen aufgestellt werden können. Laut Wikipedia gibt es weltweit 50-60 Errichter Schiffe und weniger als zehn Kranschiffe die zum Bau von großen Offshore Windmühlen mit 15 MW und mehr geeignet sind.
Quelle: https://energiewinde.orsted.de/energiewirtschaft/offshore-wind-mangel-installationsschiffe
Ebenso fehlen in Deutschland geeignete Bauplätze für die benötigten Konverter-Plattformen, die bisher vorwiegend in Wismar und Rostock gebaut wurden.
3.2 Weltmarkt
Da Errichter Schiffe für den Weltmarkt eine große Rolle spielen, ist auch der Zubau von Windparks in Amerika, Asien und besonders China ausschlaggebend. 2021 waren weltweit mehr als 160 Offshore-Windparks mit einer Kapazität von zusammen über 32 Gigawatt am Netz.
Die USA unter Biden preschten mit einem Ziel von 30 Gigawatt bis zum Jahr 2030 voran, was jedoch unter Trump seit 2025 stark gebremst wurde. Die Kapazität der Offshore-Windenergie wird weiter ausgebaut. Bis 2024 wird die weltweite Kapazität auf fast 83 GW anwachsen . Dies bietet die Chance, den Einsatz auszuweiten und die Rolle der Offshore-Windenergie im Rahmen der weltweiten Bemühungen, die Kapazität zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdreifachen, zu stärken.
Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Offshore-Windkapazität bis 2030 auf 500 GW gesteigert werden . Die auf der COP27 gegründete Global Offshore Wind Alliance (GOWA) hat sich verpflichtet, bis 2050 2.000 GW zu erreichen. Das Ziel ist ehrgeizig, aber die Analyse der IRENA zeigt, dass es machbar ist. Eine neue Podcast-Folge mit IRENA-Experten erläutert die Gründe dafür.
IRENA und andere Quellen

3.3 Konverter-Plattformen
Die derzeit (2025) für Deutschand im Bau befindlichen Konverter-Plattformen entstehen in China und Spanien.
Im Ausschreibungsverfahren um die Vergabe zum Bau des 235 Kilometer langen Offshore-Netzanschlusssystems BorWin6 hat TenneT den Zuschlag für die Konverterstationen auf See und an Land an das Konsortium McDermott und GEIRI/C-EPRI erteilt. GEIRI und C-EPRI sind zwei eng miteinander verbundene chinesische Forschungseinrichtungen, die sich auf Energietechnik spezialisiert haben und Teil der State Grid Corporation of China (SGCC), einem der weltgrößten Energieunternehmen, sind. (GEIRI ist die Abkürzung für das in Peking ansässige Global Energy Interconnection Research Institute Co. Ltd., das eine Tochtergesellschaft der State Grid Corporation of China ist.) Die State Grid Corporation of China ist das weltweit größte Energieunternehmen mit Sitz in Peking/China. Mit einem Jahresumsatz von über 383 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 belegt State Grid den 3. Platz auf der Fortune Global 500-Liste der weltweit größten Unternehmen.
Voraussichtlich Mitte 2023 startet die Konstruktion und der Bau der Topside, also der eigentlichen Konverterstation, die in Qingdao (China) gebaut wird. Der Bau des Jackets erfolgt Ende 2023 in Batam (Indonesien). Das Jacket bildet die Unterkonstruktion, auf die die Plattform voraussichtlich Mitte 2026 in dem etwa 38 Meter tiefen Wasser aufgesetzt wird.
Ein deutscher Sicherheitsbeamter warnte vor der potenziellen Bedrohung durch chinesische Unternehmen, die an der Planung, Konstruktion und am Bau der Konverter-Plattformen beteiligt sind.
Die Amprion Offshore GmbH und Siemens Energy haben den weltweit ersten erfolgreichen Vertragsabschluss für den Bau von zwei Offshore-Konverterplattformen der neuen 2-GW-Generation mit der Dragados-Werft in Spanien bekannt gegeben. Sie sollen in Deutschland ab Ende der 2020er-Jahre Windparks auf See an das deutsche Übertragungsnetz anschließen. Der bisherige Leistungsstandard liegt bei 900 MW.

Dragados-Offshore Werft in Spanien
ergänzt im Oktober 2025 mit weiteren Daten und Abbildungen (Quelle)
Offshore-Windkapazität kurz und knapp
Deutschland
Bis Ende 2023 waren 8,5 GW Leistung in der deutschen Nord- und Ostsee installiert. Deutschland Ziel mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045. Der Bau der ersten 2-GW-Plattformen startet ab 2026; die ersten Inbetriebnahmen sind ab 2029 vorgesehen, etwa für die Anbindungssysteme BalWin4, LanWin2 und BalWin3 von TenneT oder die Anbindungssysteme BalWin1 und BalWin2 von Amprion.
Insgesamt sollen bis 2042 insgesamt 21 dieser 2-GW-Konverterplattformen in der deutschen Nord- und Ostsee errichtet werden. Damit wird die Übertragungsinfrastruktur gezielt auf die ambitionierten Offshore-Ausbauziele ausgerichtet und die Grundlage für die Einspeisung großer Mengen Windstroms ins deutsche Stromnetz geschaffen.
Global
Bis 2024 wird die weltweite Kapazität auf fast 83 GW anwachsen. Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Offshore-Windkapazität bis 2030 auf 500 GW gesteigert werden. Die auf der COP27 gegründete Global Offshore Wind Alliance (GOWA) hat sich verpflichtet, bis 2050 rund 2.000 GW zu erreichen.

Ausbauziele Deutschland
Ambitionierte Ausbauziele und Planungsregime in Deutschland: Konkret sieht die am 1. Januar 2023 in Kraft getretene Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) für Deutschland Zielkapazitäten von mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045 vor. Bis Ende 2023 waren 8,5 GW Leistung in der deutschen Nord- und Ostsee installiert. Gleichzeitig befanden sich zu diesem Zeitpunkt ca. 2,5 GW im Bau beziehungsweise kurz vor Baubeginn, während weitere ca. 11,7 GW bereits bezuschlagt sind. Für letztere steht die finale Investitionsentscheidung aber noch aus.
Quelle: Wind-auf-See-Gesetz (WindSeeG)
Die folgende Abbildung zeigt eine Karte der Offshore Windkraftwerke mit den entsprechenden Bezeichnungen, die Konverterstationen, die Verbindungskabel und die Landanlagen. Eine deutliche Vergrößerung der Karte kann mit der folgenden Adresse erfolgen:
Karte der Offshore-Windkraftwerke mit Konverterstationen, den Verbindungskabeln und den Landanlagen


Zukünftige offshore Wind Energieprojekte in Deutschland


Übersicht der Netzanbindungssysteme

Zubau in Vergangenheit und Zukunft
Auf Basis der aktuellen Projektpipeline, des WindSeeG und des aktuellen Vorentwurfes des FEP 2024 ergibt sich ein angestrebter Ausbaupfad, der den beschleunigten Ausbau bis 2030 beschreibt.
Die folgende Abbildung verdeutlicht, dass insbesondere in den Inbetriebnahmejahren 2029 und 2030 der jährliche Zubau stark anwächst, bevor er sich ab 2031 auf einem im Vergleich zu 2029/2030 niedrigeren Niveau stabilisiert, das aber noch immer deutlich über den historischen Zubauzahlen liegt.
