Kiebitzberg Schiffswerft – Solarschiffe für Berlin

Dieser Beitrag über Solarschiffe der Suncat Klasse der innovativen Kiebitzberg Schiffswerft, im weiteren Sinne eine Nachfolgerin der Kurfürstliche Werft Havelberg, hatte ich für Wikipedia erstellt und säter auf meiner Homepage hochgeladen. Er wurde im Juni 2020 im Rahmen der Ablieferung des 2. Solarschiffes aktualisiert und erweitert

Karl-Heinz Hochhaus im Juni 2020

Die SUNCAT 120 im Berliner Winterhafen

1. Einführung

1.1 Aktualisiert am 4. Juli 2021

SUNCAT 120 und das baugleiche Schwesterschiff SUNCAT 121 wurden von der Elbewerft Kiebitzberg für die Berliner Reederei Solar Circle Line gebaut. Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Fachbereich Mobilität, hat den Entwurf und Bau der für 180 Personen zugelassenen Schiffe, die durch die SolarWaterWorld AG initiiert wurden. finanziell gefördert.

2. Kietzberg Schiffswerft baut umweltfreundliche Elektroschiffe

Arbeiten am am Solarschiff-Neubau KSW 283 für die Solar Circle Line (Quelle Kiebitzberg)

2019 wurde von der Werft das erste  Fahrgastschiff vom Typ Suncat 120 (Neubau 283) für 180 Passagiere mit einer Länge von 36,50 Meter und einer Breite von sieben Metern abgeliefert. Die Suncat 120 hat ein Gewicht von rund 80 Tonnen, einen Tiefgang von 0,9 Metern und eine Antriebsleistung von zweimal 45 Kilowatt. Das Schiff mit E-Motoren zum Propellerantrieb erhält den notwendigen Strom aus 48 Solarmodulen, die auf einer Fläche von fast 80 Quadratmetern auf denm Dach installiert wurden. Diese Leistung von 16 Kilowatt werden in Akkus mit rund 620 kWh gespeichert.

Für die Berliner Solarschiffe engagieren sich (von links) Tim Schultze (Chef von SolarWaterWorld), Andreas Lewerken, Florian Lewerken, (beide Inhaber der Kiebitzbergwerft)  Louise Ahrens (Geschäftsführerin bei Solar Water World) und Andreas Behrens (Chef von Stern und Kreisschiffahrt)  (Quelle Solar Circle Line)

Das Akkuschiff mit  viel Glasflächen kostete rund 2 Mio. € und wird für Rundfahrten, Tagungen oder Feste in Berlin eingesetzt. Dies und das Schwesterschifdas wurden von Solar Cicle Line bestellt.

  Restarbeiten am Solarschiff Suncat 120 für die Solar Cicle Line und der Stern-und Kreisschiffahrt (Quelle MDR)

Blick in den Fahrstand der  Suncat 120  (Quelle Kiebitzberg)

Anfang Dezember 2019 wurde die Suncat 120 für die Überführung von Havelberg nach Berlin vorbereitet. Die Bergfahrt wurde nach vier Schleusungen auf der halben Strecke im traditionsreichen Fischer- und Schifferort Pritzerbe bei Brandenburg zur Übernachtung am 12. Dezember unterbrochen. Hier wurden auch die Akkus wieder aufgeladen.

Überführung der Suncat 120 von Havelberg nach Berlin (Quelle Kiebitzbergwerft)


3. Technische Beschreibung

Mit einer Länge von 36,50 Meter und einer Breite von 6,85 Metern haben die Schiffe einen Tiefgang von 0,85 m. Auf dem Oberdeck dieser innovativen Schiffe befinden sich 48 Solarmodule mit 72m² Solarfläche, die zur Ladung der Lithium-Ionen-Akkus mit der Gesamtkapazität von rund 610 kWh dienen. Diese sind in zwei Systeme unterteilt, die sich wie die Antriebe in den beiden Rümpfen befinden. Ein 446-kWh-Akkuset mit 550 V Spannung speist die E-Motor-Propeller-Aggregate mit der Nennleistung von 2 x 45 kW und ein 164-kWh-Akkuset mit 48 V Niederspannung versorgt das allgemeine Bordnetz. Geladen werden die Akkus je nach Wetter mit Solar- und Landstrom.

Bürgermeisterin Ramona Popp tauft die SunCat 120 in Berlin am 10. Juni 2020 in Berlin (Quelle Solar Circle Line)

Ramona Popp sagte bei der Taufe: „Mit diesem attraktiven und klimaneutralen Schiff wird Berlin auch auf dem Wasser grüner. Und wir, der Senat, unterstützen solche Projekte gern mit Fördermitteln. Für Gesamtberlin und seine Verkehrsträger haben wir 1Mrd. € in unseren Haushalt eingestellt, die wir ausschließlich für den Umweltschutz verwenden werden“

Die Werft von oben (Quelle Kiebitzbergwerft)

4. Erfahrungen der Solarpioniere

 Bestimmt sind die Solarschiffe für ein Joint Venture der SolarWaterWorld und dem Berliner Reederei Stern und Kreis Schifffahrt. Für die Berliner Solarschiffe engagierten sich Tim Schultze (Chef von SolarWaterWorld), Andreas Lewerken, Florian Lewerken, (beide Inhaber der Kiebitzbergwerft)  Louise Ahrens (Geschäftsführerin bei Solar Water World) und Andreas Behrens (Chef von Stern und Kreisschiffahrt

»Das hat bisher noch keiner gemacht«, sagt Andreas Behrends. »SolarCircleLine war für uns die unerwartete Chance, uns auch in der innovativen Solar-Technologie zu engagieren. Die Idee und Vision hat uns sofort begeistert. An Sonnentagen sollen die Schiffe ausschließlich mit der aufgefangenen Sonnenenergie fahren können.

Das als Kooperation zwischen den beiden ungleichen Firmen organisierte neue Unternehmen SolarCircleLine soll die erste Berliner Reederei werden, die auf Fahrgastschiffe setzt, die zu 100 Prozent solar-elektrisch betrieben sind. Bisher werden die meisten Fahrgastschiffe, die im Minutentakt über die Berliner Gewässer fahren, mit Diesel betrieben.

Im Schnitt verbrauchen sie 20 Liter des fossilen Kraftstoffs pro Stunde. Der Einsatz von Partikelfiltern oder Katalysatoren sind die Ausnahme. Auch von den 31 Schiffen der Stern-und-Kreis-Schifffahrt-Flotte waren seinerzeit nur vier damit ausgerüstet. Die Gründe dafür sind laut Geschäftsführer Behrens vielfältig. Da es keine Lösung »von der Stange« gebe, müsse beispielsweise für jeden der Antriebe an Bord ein eigenes Abgasreinigungssystem installiert werden – mit Kosten jenseits der 100 000 Euro. Kürzlich habe er ein Angebot für die Umstellung eines seiner Schiffe auf Hybridantrieb erhalten, sagt er kopfschüttelnd: »Die Umrüstung hätte danach genauso viel gekostet, wie ein neues Schiff. Das ist wirtschaftlich nicht umsetzbar.«

Louise Ahrens, Managerin bei SolarWaterWorld, sagte, dass die Suche nach einer Werft schwierig war. Bei klassischen Herstellern seien sie mit ihren innovativen Ideen abgeblitzt. Die Havelberger Werft fertigte den Schiffsrumpf aus computergesteuert gefrästem Aluminium. Technische Ausstattung und Möbelbau in eigener Tischlerei – alles kam aus einer Hand.

Sie berichtete von Schwierigkeiten mit Genehmigungen. »Die Genehmigung unseres Stegs mit Stromlademöglichkeit in der Nähe der Oberbaumbrücke musste von sieben Behörden genehmigt werden, und es hat sechs Jahre gedauert, bis wir ihn endlich in Betrieb nehmen konnten.« Ökostrom bekamen die Pioniere -anfangs provisorisch verlegt – über ein benachbartes Hotel.

 Havelberg, Blick auf die Havel und die Kiebitzbergwerft (Foto Dr. Hochhaus)

5. Geschichte der Kiebitzberg Werft


1998 endet mit der Abwicklung der „Havelberger Schiffwerft“ Havelbergs 300-jährige Werftgeschichte. Mehrere Investoren haben versucht, den ehemaligen Betrieb der „Deutsche Binnenwerften“ als Werftbetrieb  weiter zu führen und sind gescheitert.

Im selben Jahr erwarben das Ehepaar Lewerken das große weitgehend brachliegende Werftgelände an der Havel von der Treuhand und gründeten die Kiebitzberg Schiffswerft GmbH & Co.KG. Die Familie begann mit dem Schiffsinnenausbau, danach folgten Reparaturaufträge und später der Neubau von Spezialschiffen. Das 28.000 m² große Gelände der Werft wurde entkernt, Gebäude um- und neu gebaut und es entstanden neben Möbelwerkstätten die ersten Projekte. Neben kleineren Schiffsreparaturen und Stahlarbeiten wurden Tischlerarbeiten durchgeführt und es wurden Küchenarbeitsplatten, Waschtischanlagen, und Designobjekte für Kunden in ganz Deutschland gebaut und geliefert. Aus anfangs drei Mitarbeitern sind inzwischen über 100 geworden.

Astana, ein Wassercabrio für Kasachstan (Quelle Kiebitzbergwerft)

2015 wurde mit der ursprünglichen Gründung der Werkstatt für therapeutisches und didaktisches Holzspielzeug „Holzspielzeug vom Kiebitzberg“ das 30-jährige Jubiläum gefeiert. 1990 war Spielzeug aus Holz nicht mehr gefragt und mit den vorhandenen und neuen Holzbearbeitungsmaschinen wurden Möbel gebaut. Ab 1992 wurden Lehrlinge eingestellt und ausgebildet. Wachsender Auftragsbestand und steigende Mitarbeiterzahlen führten 1996 zu einer Neuansiedlung im Gewerbegebiet der Stadt Havelberg unter dem neuen Namen „Kiebitzberg Möbelwerkstätten“.

Der Sohn Florian Lewerken übernahm nach einem Studium und Tischlerlehre u. a. die entstehende Boots- und Schwimmstegfertigung. 2005 besuchte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Werft. 2007 wurde in Havelberg das stark sanierungsbedürftige Hotel „Schmokenberg“ gekauft und bis 2012 entstand daraus das firmeneigene Hotel Kiebitzberg. 2016 eröffnet die Kiebitzberggruppe Niederlassungen in Leipzig und Rostock und ist in Deutschland inzwischen mit 5 Standorten und rund 110 Mitarbeitern vertreten. Schwerpunkte sind neben Möbelbau der Bau von Steganlagen, Bootsgaragen und Schiffen mit den Schwerpunkten Katamarane, Aluminiumbearbeitung mit Wasserstrahlschneiden und zunehmend Solar-und Akkuschiffe.

6. Schiffsneubau

Entstanden sind bisher 16 Schiffe, darunter zwei kleine elektrisch angetriebenen Fähren für Island, Schwimmsteganlagen und Arbeitsplattformen. Neben Wohnbooten und Jachten entstand 2008 der Mississippi-Raddampfer Baltic Star für 220 Personen. 2009 wurde der fliegende Holländer, ein Wassercabrio abgeliefert.

Als erster Neubau entstand ein Traditionssegler und 2006 wurde mit der Positano das erste seegehende Schiff der Kiebitzberg Schiffswerft für die Reederei Belis abgeliefert. 2008 wurde ein Schaufelraddampfer für die Ostseeküste und eine Hafenbarkasse für den Hamburger Hafen abgeliefert.

Der Mississippi-Raddampfer Baltic Star für 220 Personen wurde 2008 von Renate Lewerken in Havelberg getauft (Quelle Wikipedia)

Der fliegende Holländer in Berlin auf der Spree, ein Wassercabrio für 100 Personen (Quelle Wikipedia)

Blick vom Domgelände auf die Werft mit der Suncat 120 (Foto Dr. Hochhaus)

7. Solar Water World AG

Die Solar Water World AG (Eigenschreibweise SolarWaterWorld AG), wurde im März 2001 vom Schiffbauingenieur Thomas Meyer in Hameln gegründet. Die Vorgängereinrichtung war das Institut für Solarschiffbau in Hameln. 2008 wurde der Sitz der Gesellschaft nach verlegt.

Das Ziel der Gesellschaft ist die Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Solarbooten und Solarschiffen. Neben dem Verkauf betreibt Solar Water World den Verleih von Solarbooten und die Planung für den zukünftigen öffentlichen Nahverkehr mit solarelektrischen Fahrgastschiffen in Berlin und anderen Städten.

Die Solarschiffe werden von der Solar Circle Line, die erste rein solar-betriebene Fahrgastschiff-Reederei, eingesetzt. Die Firma Solar Circle Line wurde von Solar Waterworld als Tochterfirma gegründet. Sie soll solar-elektrisch betriebene Fahrgastschiffe betreiben,  die Stern-und Kreisschiffahrt ist als Minderheitsgesellschafter beteiligt.

Der Geschätsführer der Kiebitzberg Schiffswerft Andreas Lewerken (links) und Sohn Florian Lewerken auf der Suncat 120 (Quelle Kibitzberg Schiffswerft)

Geladen werden die Akkus während der Fahrt über die Solarmodule, die auf dem Dach des Bootes verbaut wurden sowie von der Schnellladesäule im Treptower Park. Eine Akkuladung reicht für zehn bis zwölf Stunden Fahrt.

Im Frühjahr 2018 wurde in Berlin auch der der Verband für Elektroschifffahrt und Ladeinfrastruktur gegründet.

 

8. Havelberg, Schiffbaugeschichte

Havelberg hat zum Schiffbau eine interessante  Geschichte zu bieten, da 1867 hier die „Kurfürstliche Werft Havelberg errichtet wurde. Die „Kiebitzberg Schiffswerft“ kann sich im weiteren Sinne als historischer Nachfolger betrachten. Sie hat sich inzwischen etabliert und ist heute Teil der Kiebitzberggruppe. Die Werft hat sich inzwischen auf den hochwertigen Innenausbau und den Neubau von umweltfreundlichen Aluminiumschiffen spezialisiert.

 Modell der Kurfürstlichen Werft Havelberg in dem Museum Haveberg (Foto Dr. Hochhaus)

Die Kurfürstliche Werft Havelberg wurde auf Anordnung von Friedrich Wilhelm von Brandenburg vom niederländischen Reeder Benjamin Raule errichtet und betrieben. Es wurden fünfzehn für den Standort sehr große Schiffe für die Kurbrandenburgische Marine gebaut, die jedoch nicht alle in den Dienst der Marine kamen.

„Kamele“ zum Schiffstransport auf der flachen Elbe (Foto Dr. Hochhaus)

Auf der Kurfürstliche Werft Havelberg entstanden 15 Brigantinen und Fregatten für die kurbrandenburgische Marine. Weitere rund 20 Galiote, Schnaus, Barken und Fleuten wurden von Raule auf eigene Rechnung gebaut. Die Schiffe der Havelberger Werft galten als sehr gelungen, trotzdem blieb der erwartete langfristige Erfolg aus, und viele der abgelieferten Schiffe wurden unter Wert verkauft.

Der Standort in Havelberg war für den Bau von Schiffen wegen der leichten Zufuhr von Holz über Elbe, Havel und Spree gut geeignet. Sie hatte aufgrund der flachen Havel und Elbe jedoch Probleme,die Schiffe abzuliefern. Daher entstanden nur die Rümpfe  in Havelberg, die mit viel Aufwand mit dem Einsatz von „Kamelen“ über die Elbe nach Hamburg transportiert wurden. Hier erfolgte anschließend der Fertigbau.

9. Literatur und Weblinks

* Die Kiebitzberg Werft liefert Solarschiffe für Berlin abigedruckt im VSIH-Journal-5-2020

* https://kibitzberg.de/werft/ Webseite der Werftt abgerufen am 16. Januar 2020

* https://www.familienunternehmen.de/media/public/pdf/publikationen-studien/studien/Industrielle-Familienunternehmen-in-Ostdeutschland_Stiftung-Familienunternehmen.pdf/ Übernahme der Werft, beschrieben in der Studie „Industrielle Familienunternehmen in Ostdeutschland“], abgerufen am 14. Januar 2020

Homepage: https://kiebitzberg.de/werft/

Updated on 25. November 2025