Dr. Ing. Karl-Heinz Hochhaus
An diesem Beitrag von Wikipedia habe ich nur wenige Prozent beigetragen. Allerdings habe ich mich mit den meisten der 13 Unternehmen der deutschen Loggerfischerei beschäftigt, dazu recherchiert und diese in Wikipedia hochgeladen.
1. Einführung

Fässer mit dem Logo der Emder Heringsfischerei (Wikipedia)
Die Loggerfischerei oder „Große Heringsfischerei“ war eine küstenferne Hochseefischerei auf Heringe. Sie wurde etwa 1860 bis 1976 (BRD) bzw. 1981 (DDR) betrieben und bestand zum einen aus den Fischereifahrzeugen, den Heringsloggern, zum anderen aus den Landbetrieben, den Loggereien, in denen der auf See geschlachtete und in Fässern eingelegte gesalzene Hering verkaufsfertig weiterverarbeitet wurden, die Logger versorgt und ausgerüstet wurden. 13 Unternehmen haben in dieser Zeit die Loggerfischerei betrieben.
2. 1769 Gründung der „Emder Heringsfischerei Kompanie“
Der Holländer Jan Pieter Beukelzoon verpaßte der Heringsfischerei vor 600 Jahren in Emden den entscheidenden Anstoß. Dieser entwickelte 1395 das Kehlen, eine bestimmte Schlachtmethode gleich nach dem Fang der Fische. Kombiniert mit Salz machte sie den Hering genussreif und der Siegeszug des Matjes begann. Es waren dann holländische Fischer, die auf der äußeren Ems und im Dollart Heringe fingen. Um 1600 gab es dann die ersten Emder Heringsfangschiffe, die die wechselvolle Geschichte der Emder Herimnggsfischerei begannen. Jedoch wurde um 1640 der Heringsfang schon wieder eingestellt.
Auf Anordnung der preußischen Regierung wurde der Fang mit Prämien und Subventionen wieder aufgenommen und 1768 unterbreitete Friedrich der Große den Vorschlag zur Gründung der „Emder Heringsfischerei Kompanie“. Der Aktienverkauf verlief schleppend und im August 1769 erfolgte dann die Gründung mit einem Kapital von 60.000 holl. Gulden. Die ersten hölzerne Segelloggerliefen Anfang 1770 aus. Die Stadt unterstützte den Bau des Hafens, der Hallen und Piers.
Im Frühjahr 1806 blockierte England im Rahmen der Kontinentalsperre die Mündungen der Weser, Ems und Elbe und brachte damit den Heringsfang zum Erliegen und die Gesellschaft wurde aufgelöst.
3. 1872 Neugründung Emder-Häringsfischerei-Actien-Gesellschaft
Als Ostfriesland 1866 wieder preußisch wurde, kamen auch Interessen an einem Fischfang wieder auf und der Reichstagsabgeordnete W. von Freeden vertrat Ostfriesland im Reichstag des Nordischen Bundes. 1870 warb er bei der Emdener Handelskammer für die Fischerei und als Ergebnis entstand die Schrift „Der holländische Härings- und Frischfischfang, Emden 1871“.

Die Radierung „Netzflickerinnen“ von Max Liebermann entstand im Jahr 1894 und zeigt hockende Frauen beim Ausbessern von Fischernetzen.
Das erleichterte den Neubeginn, man kaufte 6 Schiffe zum Preis von 126.000 Gulden und gründete im April die Emder-Häringsfischerei-Actien-Gesellschaft. Das Grundkapital betrug 100.000 Thaler, aufgeteilt in 1000 Aktien.
Sie wurde später 1969 in das Bremerhavener Handelsregister eingetragen, 1975 liquidiert und 1976 im Bremerhavener Handelsregister gelöscht.

Aktie der Emder Heringsfischerei (Wikipedia)
3. Die Logger
Die Holländer verwendeten Logger und aus Baumwolle bestehende getaante Treibnetze. Man beschloss, die notwendigen Materialien (Logger und Netze) und einen Teil der Loggerbesatzungen aus Holland zu übernehmen. Die Emder Heringsfischerei pachtete (Erbpacht) von der Stadt Emden ein Grundstück im Emder Hafen. Sie baute dort Gebäude zur Verarbeitung, Netzschuppen und eine Pier. 1872 liefen sechs hölzerne Segellogger zum Fang aus; weitere sechs wurden bestellt. Das erste Fangschiff fing 113 Tonnen Heringe.
Es fehlte es an schiffahrtskundigen Seeleuten und an Frauen zum Netzsticken und -reparieren. Netzflickerinnen, die während der Wintermonate, die Heringslogger waren von Juni bis November in den Fanggebieten unterwegs, reparierten die einzelnen etwa 30 Meter langen Netze, die aneinander als Netzfleet ausgesetzt eine Länge bis 4,5 Kilometern erreichen konnten.
1875 gab es einenVerlust, der vom preußische Staat durch ein unkündbares Darlehen von 150.000 Mark aufgefangen wurde. Danach gingen die Geschäfte besser und das Darlehen wurde 1893 zurückgezahlt. Es wurden zwei weitere Logger-Fischereien mit Beteiligung der „Emder“ gegründet.

Deutsche Heringsfleet bestehend aus 15 Einzelnetzen ×30 m . 1: Wasseroberfläche 2: Fleetreep 3: Brails 4: Jonas (am Fleetende und nach jeweils einem Quartel entspr. ca. 15 Netzen) 5: Brailtau, 6 m 6: Zeisinge, 8 m 7: Sperreep mit Flotjes (Korken) und Staalen 8: Unterwant mit Bleien 9: Netz oder Want, 15×30 m (Quelle Wikipedia, Reinhard – Eigenes Werk – Nach Gerhard Köhn, Seegesalzen und Seegekehlt, Loggerfischerei von der deutschen Nordseeküste, Westfälische Verlagsbuchhandl. 1994, verändert und umgezeichnet durch Reinhard )
4. Betriebsgemeinschaft
Bei der Gründung der Heringsfischerei Dollart hatte sich die Emder Heringsfischerei 1899 finanziell stark beteiligt und war auch personell erheblich engagiert. Beide Gesellschaften wurden in einer Betriebsgemeinschaft eingebracht. Auch bei der 1904 gegründeten Großer Kurfürst Heringsfischerei wurde so verfahren. Die Betriebsgemeinschaft wurde von einem Zentralvorstand geleitet.

Die Schlepp-Netze wurden sorgsam in den vorderen Laderäumen der Logger verstaut (Quelle)
Nach der Einführung der Dampflogger – es waren eigentlich Segellogger mit Hilfsdampfantrieb – wurden bis zum Ersten Weltkrieg sieben Dampflogger beschafft. Ein wichtiger Vorteil war der mit Steinkohle beheizte Dampfkessel, der die Dampfmaschine zum Antrieb des Propellers und der Winde (Dampfspill) beim Einholen der riesigen bis 3,5 km langen als Fleete bezeichneten Netze mit Dampf versorgte. Insgesamt besaß die Emder Heringsfischerei beim Beginn des Ersten Weltkrieges insgesamt 32 Logger.
5. Nach dem Ersten Weltkrieg (1919)

Leerer Heringsfischrei, das Verarbeiten der Heringe von weiblichen Arbeitskräften wurde ungern angenommen, da die Mädchen trotz aller Wascherei wochenlang nach Fisch rochen (Quelle)
Als nach dem Krieg die ersten Dampflogger 1919 wieder zum Heringsfang ausfuhren, waren die meisten hölzernen Segellogger verkauft. Die restlichen 9 Segellogger konnten aufgrund fehlender Mannschaften erst später besetzt werden und zum Fang ausfahren. Wie schon vor dem Ersten Weltkrieg fiel es der Gesellschaft schwer, Dividenden zu erwirtschaften. Trotzdem wurden 1931 gemeinsam mit den anderen Heringsfischerei-Gesellschaften aus Emden die Heringslogger der in Konkurs gegangenen Glückstädter Heringsfischerei übernommen. Acht neu gebaute Motorlogger konnten um 1930 mit Hilfe des Staates aus dem Neubauprogramm speziell für Logger erworben werden. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verzeichnete die Schiffsliste 13 Motorlogger, 8 Dampflogger und 2 Motorschiffe mit isolierten Laderäumen, die für den Frischfischfang geeignet waren. Zwei Schiffe befanden sich im Bau und wurden noch im Bau für die Belange der Kriegsmarine geändert.
6. Nach dem Zweiten Weltkrieg
Emden erlitt im Zweiten Weltkrieg rund 80 Luftangriffe der Royal Air Force. Lebensmittel waren seit August 1939 rationiert (Lebensmittelkarten). Auch nach dem Kriegsende waren Lebensmittel rationiert und teuer; bis zur Währungsreform 1948 dominierte der Tauschhandel.
Sofort nach Kriegsende wurde der Fischfang fortgesetzt. Ab 1950 kamen neue Logger in die bestehende Flotte. Es waren hochmotorisierte Logger, die sowohl mit dem Treibnetz als auch mit dem Schleppnetz fischen konnten. Die Laderäume waren isoliert und wurden beim Frischfischfang von Januar bis Mai mit Eis gekühlt.
Die Mitte der 1950er Jahre übernommenen Motorlogger hatten rund 800 PS und Platz für 1400 Kantjes. Die Emder Heringsfischerei und die Leerer Heringsfischerei arbeiteten ab 1957 eng zusammen.
7. Liquidation der Emder Heringsfischerei
Trotzdem wurde es ab Mitte der fünfziger Jahre für die Gesellschaft immer schwieriger, in den traditionellen Fahrtgebieten ergiebige Fanggründe zu finden. Die Logger kamen immer häufiger nur mit teilgefüllten Laderäumen zurück. So wurden gemeinsam mit den anderen Gesellschaften und staatlichen Stellen neue weiter entfernte Fanggründe vor Grönland und Neufundland aufgesucht.[2] Die dadurch erheblich verlängerten Anreisen führten jedoch dazu, dass die Schiffe im Fanggebiet blieben und die Fische und Ausrüstung mit Frachtern transportiert werden mussten. Die Verluste in diesem Zeitraum führten dazu, dass die Kredite nicht mehr bedient werden konnten und endeten 1968 im Verkauf der Betriebsgrundstücke. Auch die Übertragung der Emder Heringsfischereien und der Reederei Schulte & Bruns in das Land Bremen (in das Bremerhavener Handelsregister) ergab nur einen kurzen Aufschub, denn die als Gegenleistung vom Land Bremen dafür gewährten Kredite änderten nichts an der Strukturkrise. 1976 wurde die Emder Heringsfischerei im Bremerhavener Handelsregister gelöscht.
8. Literatur und Weblinks
- Eilerich Bloem: He geiht, hiev up! Auf Heringsfang in der Nordsee. Schuster, Leer 1998, ISBN 3-7963-0336-6.
- Dieter Finnern: Wissensspeicher Fischereifachkunde. 2., bearbeitete und ergänzte Auflage. Transpress, Berlin 1989, ISBN 3-344-00359-3.
- Gerhard Köhn: Seegekehlt & seegesalzen. Die Loggerfischerei vor der deutschen Nordseeküste. Zur Erinnerung an die vor 100 Jahren gegründete Glückstädter Heringsfischerei. Mocker & Jahn, Soest 1994, ISBN 3-87902-800-1.
- Jens Rösemann: Kok-in-Ruum auf dem Heringslogger. Eine Jugend auf See oder das Streben nach Vollkommenheit. Johann Heinrich Döll, Bremen 1996, ISBN 3-88808-227-7.