Neues Forschungszentrum ebnet den Weg für die Dekarbonisierung der Schifffahrt
noch in Arbeit
Hintergrund: Dekarbonisierung der globalen Schifffahrtsindustrie
Die weltweit 100.000 Handelsschiffe verbrauchen jährlich rund 300 Millionen Tonnen Treibstoff. Damit ist die Schifffahrt für etwa 3 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Mitarbeiter der Stiftung Mærsk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping treiben die nachhaltige Dekarbonisierung der Schifffahrtsindustrie bis 2050 durch Zusammenarbeit, angewandte Forschung und regulatorische Reformen voran.
1. Text zur Gründung am 25. Juni 2020
Die Schifffahrtsbranche hat sich verpflichtet, ihre globalen CO₂-Emissionen bis 2050 deutlich zu reduzieren. Führende Branchenvertreter gehen nun den nächsten Schritt und entwickeln neue Kraftstoffarten und Technologien: Sie gründen das Mærsk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping als gemeinnützige Stiftung.
1.2. Gründungspartner
Zu den Gründungspartnern dieser Initiative gehören ABS, A.P. Møller – Mærsk, Cargill, MAN Energy Solutions, Mitsubishi Heavy Industries, NYK Line und Siemens Energy.

Mærsk Mc-Kinney Møller (1913–2012) Neben seiner Funktion als CEO von A.P. Møller – Mærsk und dem Vorsitz der Familienstiftungen war Mærsk Mc-Kinney Møller von 1970 bis 1984 auch Mitglied des Aufsichtsrats der IBM Corporation, von 1984 bis 1993 des Beirats von IBM und von 1967 bis 1984 Mitglied des International Council der Morgan Guaranty Trust Co. (Quelle apmoller.com)
Sitz in Kopenhagen, Dänemark
Das Zentrum mit Sitz in Kopenhagen, Dänemark, wird durch eine Anschubfinanzierung der A.P. Møller Stiftung in Höhe von 400 Millionen DKK ermöglicht.
1.3. Ane Uggla, Vorstandsvorsitzende der A.P. Møller Stiftung
Ane Uggla, Vorstandsvorsitzende der A.P. Møller Stiftung, erklärt: „Mit dieser Spende möchte die A.P. Møller Stiftung die Bemühungen zur Lösung des Klimaproblems in der globalen Schifffahrt unterstützen. Mein Vater, Mærsk Mc-Kinney Møller, war über sieben Jahrzehnte lang eine visionäre Führungspersönlichkeit in der globalen Schifffahrtsindustrie. Ihm lag die Umweltbelastung durch die Schifffahrt sehr am Herzen. Bereits in den 1980er-Jahren setzte er sich für die Verwendung schwefelarmer Treibstoffe ein und entwickelte in den 1990er-Jahren die ersten Doppelhüllentanker, um das Risiko von Ölunfällen zu minimieren. Daher ist es für mich selbstverständlich, dass der Name meines Vaters mit dem Zentrum verbunden wird.“
Das Zentrum wird als gemeinnützige Stiftung mit wohltätigem Zweck gegründet. Als unabhängiges Forschungszentrum arbeitet es branchenübergreifend mit Industrie, Wissenschaft und Behörden zusammen. Ein hochspezialisiertes, interdisziplinäres Team wird weltweit zusammenarbeiten, um Dekarbonisierungspfade zu entwickeln, die Entwicklung ausgewählter kohlenstofffreie Kraftstoffe und Antriebstechnologien zu beschleunigen und die Schaffung regulatorischer, finanzieller und kommerzieller Rahmenbedingungen für den Wandel zu unterstützen. Zur Festlegung der strategischen Ausrichtung des Zentrums wird ein Verwaltungsrat eingerichtet. Søren Skou, CEO von A.P. Møller – Mærsk, wurde als Mitglied des Verwaltungsrats bestätigt. Weitere Mitglieder des Verwaltungsrats werden nach ihrer Ernennung bekannt gegeben.

Ane M. M. Uggla ist die jüngste Tochter von Emma und Mærsk Mc-Kinney Møller, Vorsitzende in den beiden Familienstiftungen und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats von A.P. Moller – Maersk.
Der zukünftige Vorstandsvorsitzende Søren Skou erklärt: „Die Gründungspartner und die A.P. Møller Stiftung verfolgen das langfristige Ziel, die Schifffahrtsindustrie zu dekarbonisieren. Die Einrichtung des Zentrums ist ein Quantensprung zur Verwirklichung dieses Ziels. Diese gemeinsame Initiative wird die Entwicklung von Lösungen beschleunigen und die Entscheidungsgrundlage für Akteure der Branche und Regulierungsbehörden stärken. Dadurch werden Investitionen und die Implementierung neuer Technologien beschleunigt. Ich freue mich darauf, dem Vorstand dieser ambitionierten Kooperation beizutreten.“
1.4. Verwaltungsrat
Das Zentrum wird zudem über einen Verwaltungsrat verfügen, der von Bo Cerup-Simonsen als CEO geleitet wird. Bo Cerup-Simonsen hat an der Technischen Universität Dänemark in Maschinenbau und Schiffbau promoviert und verfügt über langjährige Erfahrung in der Leitung von Großprojekten der Industrie, maritimer Technologie sowie Forschung und Innovation. „Wir befinden uns am Anfang einer anspruchsvollen und notwendigen Transformation einer ganzen Branche.
Dank der A.P. Møller Stiftung und der Unterstützung führender Partner haben wir nun die einmalige Chance, das Potenzial einer branchenweiten Zusammenarbeit für die vollständige Dekarbonisierung zu entfalten. Das Mærsk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping bietet eine solide Plattform für das gesamte Ökosystem, um Kräfte zu bündeln, neue Lösungen zu demonstrieren und die nächsten Schritte für deren Umsetzung zu definieren. Ich freue mich darauf, die Arbeit zu beginnen und die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Partnern auszubauen“, ergänzt Bo Cerup-Simonsen.
Die Gründungspartnerunternehmen bringen ein gemeinsames Engagement für die Dekarbonisierung der Schifffahrt sowie spezialisiertes Wissen und Forschungskapazitäten mit. Darüber hinaus stellen die Gründungspartner Experten und/oder Testplattformen zur Unterstützung des Betriebs zur Verfügung. Das Center rechnet damit, in Zukunft weitere Partnerunternehmen zu gewinnen.
In den ersten zwei bis drei Jahren wird das Center rund 100 Mitarbeiter für sein Büro in Kopenhagen einstellen und mit neuen Partnern weltweit zusammenarbeiten. Die Gründungspartnerunternehmen haben ein Drittel des benötigten Personals zugesagt, die restlichen zwei Drittel werden unabhängig rekrutiert. Neben Führungskräften und Verwaltungsmitarbeitern wird das Zentrum Experten für Energie, Kraftstoffe und Schiffstechnik sowie für Regulierungsangelegenheiten, Finanzen und die globale Energiewende umfassen.
2. Der Fahrplan der Schifffahrt zur Dekarbonisierung
Mit weltweit 100.000 Schiffen und einem jährlichen Treibstoffverbrauch von 300 Millionen Tonnen ist die Schifffahrtsbranche für rund 3 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Obwohl sie als schwer zu deeskalierender Sektor gilt, engagiert sich die Schifffahrtsbranche stark für eine signifikante Reduzierung der CO₂-Emissionen bis 2050.

Eröffnung IMO Marine Environment Protection Committee (MEPC) 2. außerordentliche Sitzung, 14-17 October, 2025 (Quelle IMO)
In der letzten Sitzung der IMO im Oktober 2025 sollte das im April inhaltlich beschlossene Net-Zero Framework (IMO-Treibhausgasstrategie 2023 –>2050 100% neutral) rechtsverbindlich verabschiedet werden. Es kam jedoch anders. Die USA, Saudi-Arabien, Russland, der Iran, der Irak, Kuwait, Venezuela und weiteren ölexportierenden Ländern haben das verhindert. Im Rahmen einer beantragten Abstimmung stimmte eine knappe Mehrheit der anwesenden Staaten dafür, die Sitzung für ein Jahr zu unterbrechen. Dies bedeutet, dass eine Entscheidung über das Net-Zero Framework im Oktober 2026 neu angesetzt wird.

Konzeptentwurf eines mit Ammoniak betriebenen Containerschiffs mit einer Kapazität von 15.000 TEU( Quelle A.P. Moller – Maersk)
Damit hat der Wettlauf begonnen, und die Beschleunigung des branchenweiten Wandels erfordert technologische Fortschritte, eine führende Rolle der Branche und öffentliche Verantwortung durch globale Regulierungen und Richtlinien. Das Mærsk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping vereint fundiertes Fachwissen mit einer branchenweiten Perspektive durch starke Partnerschaften. Sie treiben die Entwicklung der benötigten technologischen Lösungen voran und bieten strategische Beratung. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind darauf ausgerichtet, den Bedarf an technologischen Fortschritten zu decken.
3. Demonstrationsprojekte
MMMCZCS ist an einer Reihe von Projekten beteiligt, die zu Ammoniakversuchen führen, darunter:
Das Projekt MAGPIE
umfasst mehrere Einzelaufgaben, zu deren Erfüllung sich das Zentrum im Rahmen des EU-finanzierten Projekts MAGPIE unter der Leitung des Rotterdamer Hafens (PoR) verpflichtet hat. Die Gesamtverantwortung für das Projektmanagement liegt beim PoR; das Konsortium besteht aus rund 50 Mitgliedern aus der gesamten EU.
Derzeit befinden sich verschiedene nachhaltige Kraftstoffe und Energieträger in der Entwicklung. Dazu gehören grüner Wasserstoff, große elektrische Batterien, Ammoniak und Bio-LNG. Alle haben dabei ihre Pluspunkte und Schwierigkeiten. Einige scheinen eher für die Schifffahrt geeignet zu sein, andere für den Einsatz im Hafen selbst oder für den Transport zu Zielen im Binnenland. Einige Elemente der Kette von der Produktion bis zum Gebrauch wurden bereits getestet, andere noch nicht. Das breit angelegte, internationale Forschungsprogramm befasst sich vor allem mit den Aspekten des Einsatzes der neuen Kraftstoffe und Energieträger, die noch nicht in der Praxis erprobt sind. Es kann Produktion, Transport, Lagerung, Verteilung (Kraftstoffe) und Aufladung (Strom) umfassen.
Beispiele dessen sind der Einsatz einer Elektrolokomotive mit einer Batterie, die Strom aus der Oberleitung zum Fahren und zum Nachladen der Batterie in Rangierbahnhöfen, in denen es keine Oberleitung gibt, nutzen kann. Ein weiteres Beispiel ist das Bunkern von Ammoniak als Schiffstreibstoff oder elektrischer Strom von Land als Treibstoff für Schiffe, die vor der Küste an einer Verankerungsboje festgemacht sind. Letztendlich ist eines der Projekte die Erstellung eines Masterplans, wie der Transport in, zu und von den Häfen im Jahr 2050 CO2-frei sein kann und was dazu in den 2030er und 2040er getan werden muss.
Machbarkeitsstudie zur Ammoniakbunkerung in Singapur:
Eine technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie mit vorläufigem Entwurf und anschließender Weiterentwicklung der Machbarkeit bis hin zu endgültigen Investitionsentscheidungen entlang der Lieferkette, einschließlich der Bestellung von Ammoniakbunkern und Bunkerungsstandards.

MMMCZCS hat gemeinsam mit dem deutschen Firma Everllence (ehemals MAN Energy Solutions), dem dänischen Schifffahrtsunternehmen AP Møller-Maersk, den Klassifikationsgesellschaften American Bureau of Shipping (ABS) und Lloyd’s Register (LR), der Danish Maritime Authority, der Maritime Port Authority of Singapore (MPA Singapore), dem finnischen Schiffstechnikunternehmen Deltamarin und dem dänischen Ingenieurbüro Eltronic FuelTech an dieser Studie gearbeitet.
Laut MMMCZCS und Lloyd’s Register Maritime Decarbonisation Hub (The Decarb Hub) müssen mindestens 800.000 Arbeitnehmer spezielle Schulungsprogramme durchlaufen, um für diesen nachhaltigen Kraftstoff qualifiziert zu sein.
Machbarkeitsstudie zur Ammoniakbunkerung in Savannah:
Erweiterung der Arbeit und des Wissens aus dem in Singapur ansässigen Ammoniakprojekt „SABRE“. MMMCZCS ist Teil eines Konsortiums von Partnern, die die Bunkerinfrastruktur für Ammoniak an der US-Ostküste entwickeln wollen.
4. Projekte
An den weiteren Projekten wird gearbeitet




