1. Einführung
Die Nordseeinsel Borkum hat sich das ambitionierte Ziel gesteckt, bis 2030 emissionsfrei zu werden und sich in den letzten Jahren mit Wasserstoffgewinnung und Energiespeicherung beschäftigt. Seit Oktober 2020 begleiten das Steinbeis-Europa-Zentrum und zehn weitere Organisationen aus sieben europäischen Ländern die Insel bei der Dekarbonisierung und der Umsetzung der Maßnahmen mit dem EU-Projekt ISLANDER. ISLANDER wird unter der Nr. 957669 aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union mit einer Kofinanzierung von rund 7 Millionen Euro gefördert.
2. Meeres-Wärmepumpe
Die Meeres-Wärmepumpe auf der ostfriesischen Insel Borkum arbeitet seit März 2025 mit selbstreinigenden Wärmetauschern. Ihren ersten, besonders kalten Winter, hat sie erfolgreich überstanden. Während das Großprojekt in Esbjerg international für mediale Aufmerksamkeit sorgte, hat die Demonstrations-Meeres-Wärmepumpe auf der ostfriesischen Insel Borkum seit ihrer Inbetriebnahme im Frühjahr 2025 vergleichsweise weniger hohe Wellen geschlagen.
Tatsächlich beschäftigte man sich auf der Insel schon vor 15 Jahren mit „selbstreinigenden Wärmetauschern“ im Nordseeumfeld, bei denen Muscheln, Algen und Seepocken mechanisch entfernt wurden. Als dann vor einigen Jahren europäische Fördergelder im Rahmen von Horizon 2020 winkten, ergriffen die Insulaner die Chance und entschieden sich für den Bau von Meeres-Wärmepumpen im Borkumer Hafen.
Dabei sind die Wärmetauscher unterhalb von Brücken zu Anlegerpontons befestigt und führen eine Sole einige Hundert Meter weiter in einem ehemaligen Öltank. In dem runden, fensterlosen Gebäude befindet sich die Wärmepumpenanlage mit zwei Wärmepumpen – eine davon mit einer Leistung von 110 Kilowatt (kW), die andere mit 75 kW. Die Sole wird in der Anlage um fünf Grad heruntergekühlt, und dieser Vorgang erzeugt Energie.“ Diese wird gespeichert und versorgt eine benachbarte Appartementanlage mit Wärme für Fußbodenheizung und Wasser.
Die erzeugte Wärme beheizt derzeit rund 100 Wohneinheiten, die sich in unmittelbarer Hafennähe befinden; sie dienen Monteuren und Mitarbeitern von Offshore-Windenenergieanlagen als temporäre Unterkunft.
Die Anlage musste in dem letzten Winter, der im Verhältnis zu den letzten Jahren ungewöhnlich niedrige Temperaturen aufbot, eine große Herausforderung meistern. Aufgrund von kalten Wintertagen ist die Anlage an ihre Grenzen gekommen und benötigt mehr Wärmetauschfläche als bisher, um solch tiefen Temperaturen gewachsen zu sein.
Ob die Demonstrationsanlage – die rund eine Million Euro kostete und von der EU im Rahmen des Horizon 2020 Programms zu 70 Prozent finanziert wurde – in Zukunft hochskaliert wird, hängt noch von den Ergebnissen der nächsten Betriebsjahre ab. Zudem ist noch nicht genau zu beziffern, wie effizient die Anlage am Ende arbeitet und bei welchem Wärmepreis die Anlage kostendeckend betrieben werden kann.

Parallel zur Meeres-Wärmepumpe gäbe es noch andere Optionen, um die Insel in den nächsten Jahren CO2-frei werden zu lassen. Zumal in der nachhaltigen, friedlichen Wärmeversorgung der Schlüssel zur Dekarbonisierung der Insel liegt. Während der jährliche Strombedarf auf 30 Gigawattsunden beläuft, liege der Bedarf auf der Wärmeseite ungefähr beim Fünffachen, also bis zu 150 Gigawattstunden pro Jahr. Eine echte Herausforderung für die Stadtwerke Borkum.
Flyer der Insel Borkum