MS Artania, Neumotorisierung auf der Lloyd Werft

Die Lloyd Werft realisiert den aufwendigen Umbau im Passagierbereich und eine Neumotorisierung MS Artania für 45 Millionen Euro

Karl-Heinz Hochhaus

Folgende Fotos Dr. Hochhaus

Ende 2014 wurde die inzwischen 30 Jahre alte „Artania“ bei der Lloyd Werft einem aufwendigen Umbau im Passagierbereich und einer Neumotorisierung unterzogen. Außerdem erfolgte die Jahresdockung mit Wartungsarbeiten an der Ruderanlage, den Stabilisatoren und Bugstrahlrudern sowie dem Ausbau der beiden Schiffspropeller. Rund 45 Millionen Euro betrug das finanzielle Gesamtvolumen, der Löwenanteil floss in den Einbau der 4 neuen Hauptmaschinen und eines neuen Hilfsdiesels

1. Einführung

Die „Artania“ ist ein Kreuzfahrtschiff der Schiffsmanagementgesellschaft V. Ships Leisure aus Monaco und ist seit Mai 2011 beim Reiseveranstalters Phoenix Reisen aus Bonn in Charter. Sie ist bekannt, da die Folgen 81 bis 329 der TV-Doku-Serie  Verrückt nach Meer hier gedreht wurden, die einen interessanten Blick hinter die Kulissen eines mittelgroßen Kreuzfahrtschiffs erlauben. Dieser Blick zeigt besonders die Tätigkeit der Praktikanten im Bereich der Küche, Hotelbetrieb und der Bordtischlerei.

Kopernikusbar

2. Einige Daten

Die „Artania“ ist 230 m lang und mit rund 44.600 BRZ vermessen. Sie ist eines der wenigen Kreuzfahrtschiffe ohne Innenkabinen und wurde 1984 als „Royal Princess“ von der Bauwerft Oy Wärtsilä Ab (Helsinki, Finnland) für die 1965 gegründete Princess Cruises abgeliefert. 2006 baute die Bremerhavener Lloyd Werft die damalige „Royal Princess“ für die britische Reederei P&O Cruises zur „Artemis“ um. 2011 erfolgte hier in Bremerhaven auch der Umbau von der „Artemis“ zur „Artania“.

Artania, Neue Motorenanlage zum Antrieb der Propeller und Wellengeneratoren

Ende 2014 wurde die inzwischen 30 Jahre alte „Artania“ bei der Lloyd Werft einem aufwendigen Umbau im Passagierbereich und einer Neumotorisierung unterzogen. Außerdem erfolgte die Jahresdockung mit Wartungsarbeiten an der Ruderanlage, den Stabilisatoren und Bugstrahlrudern sowie dem Ausbau der beiden Schiffspropeller. Rund 45 Millionen Euro betrug das finanzielle Gesamtvolumen, der Löwenanteil floss in den Einbau der 4 neuen Hauptmaschinen und eines neuen Hilfsdiesels

Insgesamt nur 76 Tage standen der Lloyd Werft für diese aufwendigen Umbauten dem Anbau neuer Balkone sowie die Erneuerungen an der Elektronik, den Alarm- und Feuermeldesystemen sowie zur Verfügung. Aufgrund der vorherigen Werftaufenthalte waren die Ingenieure der Lloyd Werft mit dem schönen Kreuzfahrtschiff bestens vertraut.

Artania, Alte  Hilfsdieselgeneratoraggregate zur Stromerzeugung

Da die 400 regulären Besatzungsmitglieder und einige Arbeiter während der gesamten Werftzeit an Bord wohnten, lief der Bordbetrieb weitgehend weiter. Rund 500 Werftmitarbeiter und Mitarbeiter verschiedener Firmen arbeiteten in Schichten an Bord, um diesen Termin zu halten.

3. Umbauten im Passagierbereich

 Im Passagierbereich wurde das Lido Buffet Restaurant (Deck 8) und das Restaurant Vier Jahreszeiten (Deck 2) neu gestaltet. Der  Kopernikus Pool (Deck 8) wurde erneuert und die Pazifik Lounge erhielt neue Panoramafenster. Alle Kabinen erhielten neue Teppiche, Vorhänge, und neue Polster auf den Stühlen. Die mit Badewanne ausgestatteten Badezimmer in den Kabinen der verschiedenen Decks wurden komplett umgebaut, neu gestaltet und mit  Duschen versehen.

Artania, Plattenwärmetauscher mit neuen Kühlwasserrohren

4. Umbauten im Maschinenbereich

 Die 1984 modernen und leistungsstarken 4 Pielstick Hauptdieselmotoren waren 6 Zylinder-Reihenmotoren vom Typ 6PC4-2L. Sie wurden für die “Royal Princess” von Wärtsilä in Lizenz gefertigt, eingebaut und mit insgesamt 23.200 kW verliehen sie dem Schiff eine Nenngeschwindigkeit von 22 Knoten.

Artania, Neues Hilfsdieselaggregat zur Stromerzeugung

Zum Ausbau dieser Motoren war eine aufwendige Vorbereitungszeit sowohl im Maschinenraum als auch an der Schiffsaußenhaut und auf den Landseiten notwendig. Die zum Betrieb notwendigen Rohrleitungen für Schmieröl, Brennstoff, See- und Frischkühlwasser wurden demontiert, ebenso wie die Messkabel und den Ausbau störenden Lüftungskanäle. Sie wurden weitgehend wie auch die Pumpen und Wärmetauscher und seitlichen Trennwänden aus dem Hauptmaschinenraum  entfernt, um Platz für den horizontalen Ausbau der alten und Einbau der neuen Hauptmotoren zu schaffen.

Auch die vier Zwischengetriebe zwischen den vorhandenen Getrieben und den neuen Hauptmotoren zum Antrieb der Wellengeneratoren zur Stromversorgung wurden ausgetauscht. Da die neuen 12-Zylinder-V-Motoren insgesamt weniger Platz beanspruchten wurde im Maschinenbereich für die Stromerzeugung ein neues Wärtsilä Dieselmotor vom Typ 8L32 zum Antrieb eines Generators installiert.

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Tabelle 1: Technische Daten der Artania
Name:MS ARTANIA
Größe:  44.500 BRZ
Länge:  231 m
Breite:   29 m
Tiefgang:  7,8 m
Decks9
Baujahr:  1984 als Royal Princess
Stabilisatoren:  Flossenstabilisatoren Sperry Marine
Antrieb:  Wärtsilä, 4 x 9.500 PS
Geschwindigkeit:15-18 Knoten
Reederei:  V-Ships/Monaco
Flagge:  Bermuda
Schiffsbesatzung: ca. 420
Passagiere:  maximal 1.200
Klassifikation:  Lloyds Register

Quelle: Text kreuzfahrten-mehr.de


5. Aus- und Einbau der Hauptmotoren

Um die vier Hauptmotoren auszubauen, waren zwei verschiedene Lösungen notwendig, da auf der Stb-Seite die „Dockzentrale“ mit dem Kraftwerk und riesigen Pumpen zur Dockentleerung für den Einsatz des riesigen Mobilkranes im Weg stand. Hier wurde von der Firma Lastro daher eine Art Portalkran aufgebaut, dessen Portale sich landseitig und schiffsseitig abstützten. Im Maschinenraum wurden Schienen für ein Schlittensystem aufgebaut, auf denen die jeweils rund 150 Tonnen schweren Motoren dann mit Seilwinden und hydraulischer Unterstützung horizontal zu den Außenhautöffnungen gezogen und geschoben wurden.

An der Backbordseite kam die Firma Felbermayr aus der Schweiz zum Einsatz, deren Schwerpunkte die Transport- und Hebetechnik sind. Der hier verwendete LR 1300 Raupenkran wog etwa  280 Tonnen und  hatte eine Traglast von 300 Tonnen. Die 4 neuen  Wärtsilä-Hauptmotoren der „Artania“ sind 12 Zylinder-V-Motoren vom Typ 12V32, die  insgesamt 27.840 kW Nennleistung haben.

Quelle Text und folgende Fotos: kreuzfahrten-mehr.de

Backbordseite, Blick auf das Lastro-Hubgerüst zum Aus- und Einbau der Motoren
Fundamente für die neuen Motoren
Einbau der neuen Motoren
Der Ausbaumotor in der Außenhautöffnung des Maschinenraumes
Schienen im Maschinenraum zum Aus- und Einbau der Motoren

6. Ein paar Zahlen zum Umbau

Blick auf die 4 Wellengenratoren
  • 4 neue Motoren des Typs Wärtsilä 12V32 und ein neuer Diesel-Generator mit insgesamt 43.234 PS Leistung
  • 152 neue Balkone inklusive Trennwände und Balkontüren
  • 449 renovierte Passagierkabinen und Baderneuerungen mit Duschinstallationen
  • 10.621 m² neuer Teppich verlegt
  • 3.200 laufende Meter Teakholz an Deck erneuert
  • 1.936 neue Vorhänge in Kabinen und öffentlichen Bereichen

Neue V-Motoren
  • 2.448 neue energiesparende Wand- und Deckleuchten in Kabinen und öffentlichen Bereichen
  • Über 1 Million geleistete Arbeitsstunden durch Werftarbeiter, Firmen und Besatzung
  • Durchschnittlich über 900 Arbeiter und Besatzungsmitglieder täglich an Bord

 Quelle: kreuzfahrten-mehr.de, f

Folgende Bilder kreuzfahrten-mehr.de,

7. Montage der Propellerblätter.

Propellerflügel der Verstellpropeller

Die MS „Artania“ ist mit Verstellpropellern ausgestattet, welche im Vergleich zu konventionellen Propellern, die aus einem Guss gefertigt sind, eine erhöhte Manövrierbarkeit aufweisen. Die einzelnen Propellerblätter sind drehbar an einer Nabe befestigt wobei sich die Steigung stufenlos von Nullschub in Richtung Voraus oder Zurück stellen lässt. Schiffe mit Verstellpropellern können bei laufenden Schiffsmotoren und regulärer Vorausfahrt quasi direkt die Rückwärtssteigung einstellen.

Montage der Propellerfügel

Das heißt, die Motoren müssen nicht mehr angehalten, umgesteuert und neu gestartet werden.

In der Wartung ist so ein Verstellpropeller im Vergleich zum Festpropeller aufwändiger, denn der Verstellmechanismus der einzelnen Propellerflügel ist relativ empfindlich und es bedarf größter Sorgfalt bei dem Anbau der einzelnen Propellerflügel.

Text Quelle: kreuzfahrten-mehr.de

8. Zusammenfassung

Nach dieser aufwendigen Aktion des Mototausches wurden die Hilfssysteme wieder eingebaut, teilweise wie das Kühlwasser- und Brennstoffsystem auch erneuert. Auch die Anlagen zur Brennstoffaufbereitung und Schmierölreinigung wurden erneuert. Im Dezember wurden diese Umbauarbeiten, Erprobungen und Abnahmen weitgehend abgeschlossen und Restarbeiten erfolgten auf der Überreise nach Hamburg, wo die ersten Gäste an Bord der neumotorisierten „Artania“ an Bord genommen wurden

Folgende Fotos Dr. Hochhaus

Maschinenkontrollraum, Fahrpult
Maschinenkontrollraum, Bedienpult für die Hilfssysteme
Maschinenkontrollraum, Schalttafel der E-Anlage

Updated on 27. Dezember 2025