(Gemeinsame Aktion 2008/851/GASP, EU-GSVP – Operation ATALANTA)
Ende 2008 verabschiedete der Rat der Europäischen Union auf der Grundlage verschiedener UN-Resolutionen die Gemeinsame Aktion Operation ATALANTA zur Abschreckung, Verhinderung und Bekämpfung von Piraterie und bewaffneten Raubüberfällen vor der somalischen Küste– einzurichten.
Die Mission war erfolgreich, die Überfälle gingen in den folgenden Jahren drastisch zurück, wie die folgende Grafik zeigt.

Im Laufe der Zeit wurde das Mandat angepasst, um die sich entwickelnde Situation auf See und die zunehmende Präsenz der internationalen Gemeinschaft in Somalia widerzuspiegeln und so zur Operation eines maritimen Sicherheitsanbieters im Nordwesten des Indischen Ozeans zu werden.
Die folgende Karte zeigt die bevorzugten Bereiche der Piratenangriffe.

Ursachen
Seit dem Sturz der Regierung Siad Barre im Jahr 1991
- wurden die Hoheitsgewässer Somalias kaum mehr überwacht
- fehlte eine funktionierende Zentralregierung in Somalia
- verklappten ausländische Schiffe in somalischen Hoheitsgewässern Giftmüll,
- wurden die somalischen Gewässer durch ausländische Hochseefischereiflotten intensiv befischt (illegaler Fischfang, Überfischung)
Letzteres beeinträchtigte die Lebensgrundlage somalischer Fischer während der Zeit vor dem Aufkommen der Piratenangriffe als auch in der Zeit danach. Die Piraten waren zum Teil früher Fischer, die ihr Tun damit rechtfertigten, dass die ausländischen Schiffe durch den Fischfang in den Hoheitsgewässern Somalias ihren Lebensunterhalt gefährdeten. Möglicherweise wollten einige von ihnen die Fanggründe vor Eindringlingen schützen. Manche erpressten von Anfang an „Lizenzgebühren“ von auswärtigen Fangflotten und überfielen auch Frachtschiffe und Passagierschiffe. Der kenianische Experte Andrew Mwangura, dessen Seafarers Assistance-Programme in 90 Prozent aller Kaperungen zwischen somalischen Piraten und Reedern vermittelt (Stand 2010), nannte 2010 illegales Fischen als Wurzel der Piraterie.
Nach Angaben des UNO-Umweltprogramms UNEP wurde von 1991 bis mindestens ins Jahr 2008 Giftmüll vor Somalia verklappt. 2002 wurden tausende tote Fische an die somalische Küste geschwemmt. Presseberichten zufolge brach der Tsunami von 2004 zahlreiche Giftmüllfässer auf, deren Inhalt die somalischen Gewässer und Küsten möglicherweise vergiftete. 2008 berichtete die BBC von Erkrankungen im somalischen Küstenort Harardheere, die auf Giftmüll zurückgeführt wurden.