(aktualisiert)
HIF Global , Porsche und Shell kooperieren bei E-Fuels aus Chile
07.05.2025
HIF Global liefert E-Benzin aus Chile an Shell in Hamburg, wo es für Porsche-Veranstaltungen aufbereitet wird. Die Vereinbarung soll die Alltagstauglichkeit synthetischer Kraftstoffe in Verbrennungsmotoren demonstrieren.
HIF Global, ein Anbieter von synthetischen Kraftstoffen, hat über seine Tochtergesellschaft HIF Chile eine Liefervereinbarung mit der Porsche AG und Shell unterzeichnet. Die Vereinbarung betrifft E-Fuels aus der Produktionsanlage Haru Oni im chilenischen Punta Arenas.
Das in Chile produzierte E-Benzin wird zum Shell Technology Centre in Hamburg geliefert. Dort bereitet Shell den Kraftstoff auf, bevor Porsche ihn bei verschiedenen Veranstaltungen einsetzt. Ziel ist es, die Kompatibilität von E-Fuels mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren zu demonstrieren.

Die Produktionskosten für den im Haru Oni-Werk produzierten synthetischen Kraftstoff werden auf rund 13 US-Dollar pro Liter geschätzt. Porsche-Chef Oliver Blume erklärte zuvor öffentlich, dass der Preis bei etwa 5 US-Dollar pro Liter liegen müsse, damit die Technologie rentabel sei.
Einer der Hauptfaktoren für die Kostensenkung sind die Kosten für die Erzeugung erneuerbarer Energien. Gleichzeitig dürften höhere Steuern auf fossile Brennstoffe durch staatliche Abgaben ebenfalls für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen.

HIF Global entwickelt nach eigenen Angaben weitere E-Fuel-Produktionsanlagen in den USA, Uruguay, Chile, Brasilien und Australien. Das Unternehmen sieht seine Mission darin, hochinnovative Kraftstoffe zu produzieren, die die globale Energieversorgung nachhaltiger machen sollen. Die synthetischen Kraftstoffe sind für den Einsatz in Autos, Schiffen und Flugzeugen konzipiert.
Australien ist ein sicherer Hafen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, da es im Vergleich zu Ländern wie der Europäischen Union relativ wenige Emissionsvorschriften gibt . Das bedeutet, dass Porsche weiterhin Fahrzeuge nach Australien schicken könnte, die in Europa sonst verboten wären. Synthetischer Kraftstoff, insbesondere in Australien hergestellter, würde dazu beitragen, die Emissionen dieser Fahrzeuge auszugleichen, wenn Porsche den CO2-Ausstoß seiner weltweiten Flotte berechnet.

Porsche-Projekt Haru Oni (aktualisiert)
Das Projekt Haru Oni zur Produktion von synthetischem Kraftstoff auf Wasserstoffbasis entsteht im chilenischen Patagonien nördlich von Punta Arenas und begann am 22. Dezember zunächst als Pilotanlage. Es ist eines der vom Bundeswirtschaftsministerium mit 8,2 Mio.€ geförderten Leuchtturmprojekte. Der Sportwagenhersteller Porsche hat die von Siemens Energy projektierte Anlage als Demonstrationsprojekt initiiert und wird die eFuels in den eigenen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einsetzen.
Quelle Porsche, BMWK

Die Anlage in der Provinz Magallanes im Süden Chiles (Patagonien) wurde nach nicht einmal zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt.
Siemens Energy wirkt als Co-Entwickler und Systemintegrator maßgeblich an der Ausgestaltung dieses Leuchtturmprojektes mit. Der Wasserstoff, der die Basis der Kraftstoffsynthese ist, wird mit einem Elektrolyseur von Siemens Energy produziert. Die Windturbine kommt von Siemens Gamesa. Die Herausforderung bei dem Projekt liegt darin, dass die bislang nur individuell erprobten Prozessschritte zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe erstmals in einer Erzeugungskette so verbunden und aufeinander abgestimmt werden mussten, dass die Produktion effizient und störungsfrei läuft.Diese Integration ist die Grundlage für den Hochlauf der eFuels-Herstellung.
2023 sollen 130.000 Liter eFuels produziert werden. Nach der Pilotphase wird das Projekt in Chile weiter ausgebaut. Bis zur Mitte des Jahrzehnts wird die Produktionskapazität auf voraussichtlich 55 Millionen Liter pro Jahr steigen. Etwa zwei Jahre später soll die Kapazität bei 550 Millionen Litern pro Jahr liegen.
Die erforderlichen umweltrechtlichen Genehmigungen liegen bei der chilenischen Projektgesellschaft Highly Innovative Fuels (HIF) vor. Siemens Energy hat zudem bereits mit den vorbereitenden Arbeiten für die nächste Phase des Projektes begonnen.
Quelle Porsche, BMWK

Die Abbildung aus Google Earth zeigt den Standort der Anlage im Luftlinienabstand zum nächsten größeren Hafen Punta Arenas (Quelle Google Earth)
Die eFuels-Pilotanlage in Chile offiziell eröffnet
20.12.2022
Porsche und internationale Partner um die chilenische Betreibergesellschaft Highly Innovative Fuels (HIF) haben am 20.12.2022 mit der industriellen Produktion von synthetischem Kraftstoff begonnen.
Im Beisein des chilenischen Energieministers Diego Pardow wurde die Pilotanlage „Haru Oni“ bei Punta Arenas (Chile) offiziell im Dezember 2022 eröffnet. Die Porsche Vorstände Barbara Frenkel und Michael Steiner nahmen die feierliche Betankung eines Porsche 911 mit dem ersten vor Ort erzeugten synthetischen Kraftstoff vor. Diese mit Windenergie, Wasserstoff und CO₂ hergestellten sogenannten eFuels erlauben potenziell einen nahezu CO₂-neutralen Betrieb von Otto-Motoren.
Die eFuels-Pilotanlage „Haru Oni“ im Süden Chiles ist auf eine maximale Produktionskapazität von 130.000 Litern Kraftstoff pro Jahr ausgelegt. Der Kraftstoff soll zunächst im Porsche Mobil 1 Supercup und anderen Leuchtturmprojekten eingesetzt werden. HIF Global LLC plant derzeit die Industrialisierung von eFuels Anlagen an globalen Standorten wie beispielsweise Chile, den USA und Australien, sodass bis Ende des Jahrzehnts bereits Mengen im skalierten Maßstab verfügbar sein könnten.

„Das Potenzial von eFuels ist sehr groß. Weltweit gibt es heute mehr als 1,3 Milliarden Verbrennerfahr-zeuge. Viele davon werden noch Jahrzehnte lang auf der Straße unterwegs sein. eFuels bieten den Besitzern von Bestandsfahrzeugen eine langfristige Perspektive. Als Hersteller hoch performanter und effizienter Motoren verfügt Porsche über ein breites Knowhow auf dem Gebiet der Kraftstoffe“, ergänzt Michael Steiner, Vorstand Entwicklung und Forschung der Porsche AG.

Methanoleaktor von MAN
MAN Energy Solutions hat die im folgenden Blid (Quelle MAN) gezeigte Methanolsyntheseeinheit für die Anlage zur Produktion synthetischer Kraftstoffe, sogenannter eFuels, in Südchile fertiggestellt. Die Methanolsyntheseeinheit nutzt ein von Johnson Matthey entwickeltes Verfahren.

Der Reaktor wird jährlich bis zu 750 Tonnen grünes Methanol aus Windstrom produzieren.
Selbst wenn man den E-Fuels im Auto- und Straßenverkehr in Deutschland wenig Zukunftsaussichten einräumt: Die Technologie weiterzuentwickeln dürfte nicht schaden. Der Flug- und Schiffsverkehr wird kaum ohne – dann aber teure – synthetische Kraftstoffe auskommen. Und für die chemische Industrie werden wohl grünes Methanol und E-Naphtha die Rohstoffe der Zukunft sein.

Premiere für den Porsche Mobil 1 Supercup mit eFuels
30.04.2024
Der Porsche Mobil 1 Supercup geht ab der neuen Saison mit potenziell nahezu CO₂-neutralen eFuels an den Start. Die Basis für den Kraftstoff stammt aus der Pilotanlage Haru Oni. Die bis zu 32 Rennwagen im Supercup werden bei jedem der acht Rennevents in Europa ausschließlich mit eFuels betrieben. Mit dem Leuchtturmprojekt möchte Porsche ein Zeichen auf dem Weg in einen möglichst bilanziell CO₂-neutralen Motorsport setzen und hier eine Vorreiterrolle einnehmen.
1 – Windrad (Wind zu Strom)
HIF: Die Siemens Gamesa Windturbine hat eine Leistung von 3,4 MW und eine Gesamthöhe von 150 Metern. Die Flügel sind 65 m lang und der Turm ist 84 m hoch. Starke und konstante Winde machen Magallanes zu einem der besten Standorte der Welt für die Produktion von Wasserstoff und Derivaten.
Am geplanten Standort der Pilotanlage in Chile läuft ein Windrad durchschnittlich 270 Tage im Jahr mit Volllast. In Deutschland läuft dasselbe Windrad mit denselben Investitionen aufgrund der geografischen und meteorologischen Gegebenheiten hingegen nur an rund 66 Tagen im Jahr mit Volllast. Der Nutzungsgrad der Windanlage in Chile liegt mit 74 Prozent also vier Mal höher als in Deutschland mit 18 Prozent und produziert rund 2500 kW.
2 – Methanol-zu-Benzin-Anlage
HIF: Das Rohmethanol wird destilliert, um den Wassergehalt von 36% auf 4% zu senken. Das abgekühlte Methanol gelangt in den Wirbelschichtreaktor, wo Dehydratisierungsreaktionen die Kohlenstoffatome des Methanols zu längeren Kohlenwasserstoffketten zusammenkleben, die als Rohbenzin bekannt sind. Das Benzin durchläuft einen Stabilisierungs- und Fraktionierungsprozess, um das Endprodukt zu erhalten: ein 93-Oktan-Benzin, das chemisch dem herkömmlichen Benzin entspricht.
3 – Wasserspeicher & H2 & CO₂ Speicher
HIF: Dieser grüne Tank speichert unbehandeltes Wasser. Nur 280 l/h Wasser werden bei der Elektrolyse verbraucht. Über 80 % des Fassungsvermögens des Tanks wird für die Brandbekämpfung benötigt.
4 – Elektrolyseur (Strom zu Wasserstoff und Wasserstoff zu Methanol)
HIF: Der Elektrolyseur nutzt die von der Windturbine erzeugte erneuerbare Energie, um Wassermoleküle in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Dieser Prozess wird „Elektrolyse“ genannt. und arbeitet mit Wirkungsgraden zwischen 60 und 70 %.
Wenn wir 60 % Wirkungsgrad und 33 kWh/Kilogramm Wasserstoff annehmen ergeben sich aus dem Strom des Windrades rund 45 kg Wasserstoff pro Stunde.
Gehen wir einen Schritt weiter zur Produktion von Methanol, das erfolgt in der von MAN gelieferten Methanolsyntheseeinheit, dann verbleiben 45-53 % an flüssigen Kraftstoff zur Verbrennung im Motor.
Quelle: Porsche
Mit einigen spez. Daten ergänzt, um die Größenordnungen darzustellen.

Produktion von eFuels
Anschließend sorgt eine Syntheseanlage dafür, dass sich Wasserstoff und CO₂ verbinden. So entsteht Methanol. Es ist gut lagerfähig, transportierbar und alterungsbeständig. Schiffsmotoren werden derzeit für den Betrieb mit Methanol umgerüstet.
Für den Einsatz in Pkw muss es allerdings weiterverarbeitet werden und erhält in der finalen Synthese – Methanol to Gasoline – noch zusätzliche Kohlenstoffverbindungen. Die Endprodukte sind gleichwertiger Benzin- und Dieselersatz sowie eFuels zur Beimischung in herkömmlichen, mineralölbasierten Kraftstoffen, um diese mit steigendem Anteil zunehmend umweltfreundlicher zu gestalten.
Gewinnung von CO2
Neben Wasserstoff wird eine zweite Komponente zur eFuel-Produktion benötigt: Kohlendioxid (CO₂). Jenes Treibhausgas, das bei zu hoher Konzentration in der Atmosphäre die Erderwärmung fördert. Dieses CO₂ lässt sich beispielsweise mittels Direct Air Capture (deutsch etwa: Gewinnung direkt aus der Umgebungsluft) herausfiltern.
Dabei strömt die Luft durch einen Keramikfilter, der dem Abgaskatalysator eines Autos ähnelt. Allerdings sind die Strömungskanäle nicht mit Edelmetallen, sondern mit einer chemischen Substanz beladen, die CO₂-Moleküle bindet. Sind alle Plätze besetzt, an denen CO₂ andocken kann, wird der Filter verschlossen, vakuumiert und erwärmt. In der Wärme löst sich das CO₂ und kann in einen Tank abgesaugt werden. Konkret wird für einen Liter eFuel der Wasserstoff aus drei Litern entsalztem Meerwasser sowie das CO₂ aus 6.000 Kubikmetern Luft extrahiert.

Grünes Ammoniak ist einer von mehreren eFuels, die für eine umweltfreundlichere Schifffahrtsindustrie in naher Zukunft entscheidend sein werden. MAN Energy Solutions will bereits 2024 einen Zweitakt-Ammoniakmotor auf den Markt bringen, gefolgt von einem Nachrüstungspaket für die schrittweise Umrüstung bestehender Schiffe bis 2025.