1. Einführung
Die Reederei Laeisz war führend im Salpetergeschäft von Südamerika als er von Ernst Russ auf die Möglichkeiten des Bananenanbaus in Afrika aufmerksam gemacht. Geeignete Gebiete in Kamerun befanden sich seit 1884 im Deutschen Schutzgebiet. So entwickelte sich die Reederei im Geschäft mit Bananen sowohl zu einer Kühlschiffsreederei als auch zur Vermarktung von Bananen.
2. Geschichte der Reederei F. Laeisz
1824 begann Ferdinand Laeisz in Hamburg sein Handwerk als Hutmacher und eröffnete ein Geschäft für Zylinderhüte. Daraus entwickelte sich eine bedeutende und inzwischen eine der ältesten Reedereien der Hansestadt Hamburg. Die Expansion ins Ausland bedingte eigene Schiffe und führte zur Brigg Carl.
1852 stieg Ferdinands Sohn Carl Laeisz als Teilhaber in das Unternehmen ein und 1857 erfolgte die Ablieferung des ersten Schiffsneubaus. Die hölzerne Bark wurde nach dem Spitznamen der Ehefrau Carls, Sophie Christine geb. Knöhr, Pudel getauft aufgrund ihrer krausen Haare und bildete den Anfang einer schnell wachsende Segelschiffsflotte.
Das Haus F. Laeisz entwickelte mit seinen Seglern Schiffsverbindungen in die ganze Welt und Laeisz beteiligte sich an der Gründung namhafter Reedereien, darunter die Hamburg Süd, die Hapag, Deutsch-Australische Dampfschiffahrtsgesellschaft, Woermann-Linie, und die Deutsche Ost-Afrika-Linie.
Die sogenannten Flying-P-Liner, schnelle Segelschiffe, die noch bis in die 1930er Jahre vor allem in der Weizenfahrt nach Australien und die Salpeter-Route rund Kap Hoorn an die Westküste Südamerikas fuhren, führten zum Ruhm dieser Reederei. Ab 1900 stieg die Reederei groß in den Anbau und Handel und Transport mit Bananen ein, denen bald andere Kühlladungen folgten.



3. Bananen für Deutschland.
Um 1910 wurden in Deutschland circa 1100 Stauden Bananen eingeführt, um 1911 waren es bereits 1 Million Stauden und 1914 rund 2 Million Stauden. Um 1914 aß jeder Deutsche etwa vier Bananen pro Jahr, in Großbritannien waren es 24 Bananen und in den USA sogar 90 Bananen pro Jahr. Das kennzeichnet die mögliche Entwicklung des Bananenkonsums und zeigt dass Deutschland hier einen großen Nachholbedarf hatte.
Die Bananen kamen anfangs überwiegend von den kanarischen Inseln und zum Teil über Großbritannien aus Mittelamerika. Daran war direkt und indirekt die amerikanische United Fruit Company mit ihrem britischen Ableger Fyffes beteiligt, denn 1902 erfolgte der Einstieg der United Fruit Company bei Elder & Fyffes und übernahm sie 1910 ganz,. Auch die Hamburg Amerika Linie hatte begonnen, Kühlschiffe für ihre Atlas-Linien zwischen Nord–und Südamerika zu betreiben und war an der Gründung der „Hamburg-Columbien Bananen Actien-Gesellschaft“ beteiligt.
Um 1907 war die Reederei Laeisz von der Monokultur des Salpetergeschäfts abhängig, auch wurde die Abhängigkeit von der Segelschifffahrt deutlich gesehen, da die Dampfschiffe inzwischen eine große Konkurrenz darstellten. Der Wettlauf zwischen Dampf und Segelschiffen war längst zu Gunsten der Dampfschiffe entschieden, denn nur noch 12 % der Welt-Handelsflotte von rund 40 Millionen BRT fuhr unter Segel.

In Kamerun begann die AFC Bananen anzupflanzen (Quelle erstellt mit Open Street Map)
Zu dieser Zeit wurde die Reederei Laeisz vom befreundeten Reeder und Schiffsmakler Ernst Russ auf die Möglichkeiten des Bananenanbaus in Afrika aufmerksam gemacht. Geeignete Gebiete in Kamerun befanden sich seit 1884 im Deutschen Schutzgebiet. Hier in Lädereien um den großen Kamerunberg existierten bereits die drei deutschen Faktoreien Deido, Marimba und Klein Tangas.
Die Tikoebene am Fuße der Kamerunberge mit ihren fruchtbaren vulkanischen Boden war besonders für den Bananenanbau geeignet. Gelegen am Bimbia Creek des Mungodeltas war auch ein seetiefes Flußarm vorhanden, der sich für die Anlage eines Hafens gut eignete. Auf der Keka-Insel vor Tiko entstand der neue Hafen, der mit einem Damm mit Tiko verbunden wurde.
Daher wurde die Tikoebene für Laeisz erworben, um hier Pflanzungen anzulegen. Dies war eine wesentliche Aktion vom Laeisz-Prokuristen Paul Gansauge, der zusammen mit Ernst Russ die Möglichkeiten in Kamerun erkundet hatte. 1908 wurden hier 350 Bananen Schützlinge von den Kanarischen Inseln und aus Zentral-Amerika gepflanzt. Um 1912 erfolgte die Gründung der Afrikanischen Frucht-Compagnie GmbH (AFC) durch Übernahme der Mehrheit (2 Mio. Goldmark) der 1910 gegründeten Afrikanischen Frucht-Compagnie Berlin. Ernst Russ erhielt für seine Aktivitäten in der Anfangsphase 5 % Gratisaktien dieser neuen Gesellschaft.
Ende 1913 waren bereits 440 ha bepflanzt und es wurden 12.000 Stauden Bananen geerntet. Da die Reederei noch nicht über Kühlschiffe verfügte, wurden die Bananen zu so genannten Trockenbananen verarbeitet und 1913 wurden rund 400 Kisten Trockenbananen zu je 30 kg nach Deutschland transportiert. Ein Jahr vorher hatte die Reederei bei der Tecklenburg Werft in Geestemünde zwei Bananenschiffe oder besser Kühlschiffe in Auftrag gegeben.
4. Kühlschiffe für Laeisz
Diese beiden 3000 BRT großen Kühlschiffe liefen 14 Knoten und hatten einen Kühlraumröße von 180.000 Kubikfuß. Sie waren fast 30 Jahre lang erfolgreich in Betrieb und wurden 1945 unter dem Namen Nordenham und Oldenburg versenkt. Allerdings haben diese Kühlschiffe nie für die AFC bzw. Reederei Laeisz Bananen transportiert, denn als sie vom Stapel liefen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Die Pionier lag danach als Wohnschiff der Marine Navigationsschule in Eckernförde jahrelang an der Pier. Die Pungo wurde dagegen unter dem Namen Möve berühmt, sie versenkte als Hilfskreuzer rund 178.000 Bruttoregister feindlichen Schiffsraum.

Modell der Möve, ex Pungo der Reederei F. Laeisz (Quelle Wikipedia, Foto von Dr. Karl-Heinz Hochhaus)
5. Markenbanane der A.F.C. hat den Namen Onkel Tuca
Nach dem Verlust der Kolonien und auch der Ländereien des Unternehmens in Kamerun im Zweiten Weltkrieg, begann die A.F.C., immer noch unter Willi Gansauge, 1945 mit Pflanzungen in Liberia. Seit 1950 kamen die Importe hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika und seit 1957 konzentriert sich die A.F.C. ausschließlich auf diese Region, da eine Wurzelkrankheit das Geschäft in Liberia wenig lukrativ machte. Die Markenbanane der A.F.C. mit Namen Onkel Tuca gibt es seit 1968.

Nikolaus W. Schües
6. 1982 F. Laeisz Schiffahrtsgesellschaft
Die neu gegründete F. Laeisz Schiffahrtsgesellschaft mbH + Co übernimmt in in der Schifffahrtskrise 1982 alle Schifffahrtsgeschäfte. 1936 hat sich Willi Ganssauge und 1973 Nikolaus W. Schües bzw. ihre Familien an der Reederei beteiligt. Im Jahr 1993 wurden die Schiffe und die Mitarbeiter der Deutschen Seereederei in Rostock übernommen. Die Reederei F. Laeisz, Rostock, ist heute die operative Gesellschaft, und die F. Laeisz GmbH, Hamburg fungiert als Holding. Eine reine Reederei ist F. Laeisz GmbH nicht mehr, denn zu den Geschäftsfeldern zählen auch das Versicherungswesen und der Handel. Heute gehören große Autotransporter und Bulker zur Flotte. Gastanker und Container- sowie Forschungsschiffe komplettieren die Flotte und in der Binnenschifffahrt ist das Haus Laeisz mit Passagierschiffen engagiert.

Puritan, eines der ersten reinen Kühlcontainerschiffe
7. 1983 Pionierschiff Puritan
Ein Pionierschiff war die 1983 für F. Laeisz gebaute Puritan, eines der ersten reinen Kühlcontainerschiffe, die Bananen transportierte. Auf der Puritan konnten alle Container (sogenannte Integralcontainer) gekühlt werden. Bei Chiquita hat die Puritan den Übergang vom Bananen-Kühlschiff zum Bananen-Kühlcontainerschiff eingeleitet und war auch vorwiegend zum Bananentransport bei Chiquita in Charter. 2003 wurde das Schiff an Chiquita Brands verkauft. Eine ähnliche Rolle spielte 80 Jahre vorher das Hamburg-Süd-Schiff Santos (Bj. 1873), mit der die Chiquita Vorgänger Gesellschaft den Kühltransport von Bananen untersuchte. Zu dieser Zeit gehörte die Venus dem dänischen Reeder A. Christensen und im März 1903 begannen mit der Santos Kühlversuche zum Bananentransport. Es wurde für diese Versuche entsprechend umgebau und die dabei erzielten Ergebnisse waren so überzeugend, dass von der United Fruit Company umgehend drei Kühlschiffe bei Workman Clark & Co in Belfast bestellt wurden.
8. Haus Schuchmann, Bremerhaven
Das Haus Schuchmann in Bremerhaven ist seit 2014 Teil der Reederei F. Laeisz, von hier werden sieben Forschungsschiffe, darunter die Polarstern, bereedert.
9. Hamburger Wasserstoff-Gesellschaft
1989 gründete Nikolaus W. Schües mit elf Mitstreitern die Hamburger Wasserstoff-Gesellschaft , auch um das Potential von Wasserstoff bekannt zu machen. Auch daher ist F. Laeisz heute Mitglied der 2021 gegründeten H2Global-Initiative, die den Markthochlauf von grünem, aus erneuerbaren Energien hergestellten Wasserstoff und Ammoniak vorantreiben will.
Beide Unternehmen, die Reederei F. Laeisz GmbH und die Afrikanische Fruchtcompagnie GmbH sitzen auch heute noch in dem Laeiszhof an der Trostbrücke 1. Ihre eigene Bananenreiferei hat die A.F.C. in der Hamburger Bankstraße 29.
10. Zusammenfassung
1824 begann Ferdinand Laeisz in Hamburg sein Handwerk als Hutmacher und eröffnete ein Geschäft für Zylinderhüte. Die schnelle Expansion ins Ausland führte zum Kauf eines Schiffes, woraus sich eine der ältesten Hamburger Reedereien entwickelte. Sein Sohn Carl Laeisz war maßgeblich an der Gründung etlicher Reedereien beteiligt und gehörte zum Kreis der angesehenen Hamburger Reeder. Er war Großaktionär der Hapag und Förderer von Albert Ballin.
Die Reederei Laeisz war führend im Salpetergeschäft von Südamerika und entwickelte mit Ernst Russ den Bananenanbau in Afrika und später in Südamerika. Nach den berühte Segelschiffen wurden Kühlschiffe mit Motorantrieb gebaut und Bananen importiert und vermarktet. Nach der Wiedervereinigung wurde die Deutsche Seereederei (DSR) privatisiert und 1993 von einer Investorengruppe um Nikolaus Schües gekauft, wobei der Sitz in Rostock blieb. Die F. Laeisz GmbH ist heute ein diversifizierter Konzern mit Hauptsitz in Hamburg, der vor allem als eine der führenden deutschen Reedereien (Container, Gas, Forschung) agiert. Historisch war die Verbindung der Reederei und der AFC zwar prägend und bedeutete über 50 Jahre führend in der Kühlschifffahrt. Doch heute liegt der Fokus auf Schifffahrt, Handel und Versicherungen. Die Reederei F. Laeisz, Rostock, ist heute die operative Gesellschaft, die F. Laeisz GmbH, Hamburg, fungiert als Holding.