US-Häfen – kommen Strafgebühren für Reeder, die Schiffe in China bauen lassen?

Die USA haben angekündigt, ab dem 14. Oktober 2025 chinesische Schiffe mit zusätzlichen Hafengebühren zu belegen, um den heimischen Schiffbau zu stärken und Chinas Einfluss in der globalen Schifffahrtsindustrie zu verringern.

Das sieht eine Verordnung des United States Trade Representative (USTR) einer, dem Weißen Haus unterstellten, Behörde für Handelspolitik vor.

Die Maßnahme betrifft alle Schiffe, die in US-Häfen anlegen und Teil einer Flotte sind, die in China gebaut oder registriert wurde. Die Regelungen sehen vor, dass chinesisch betriebene oder im Besitz befindliche Schiffe zunächst mit 50 USD pro Nettotonne belastet werden. Dieser Satz steigt schrittweise bis April 2028 auf 140 USD

 Das sieht ein Entwurf des United States Trade Representative (USTR) vor, einer dem Weißen Haus unterstellten Behörde für Handelspolitik. Diese hat für den 24. März 2025 eine öffentliche Anhörung angesetzt. Bis dahin konnten Marktteilnehmer Stellung nehmen. Danach will die Behörde über die Maßnahmen entscheiden. Sie treten in Kraft, wenn US-Präsident Donald Trump sie absegnet. Das könnte bereits im April der Fall sein.

Die Maßnahme betrifft alle Schiffe, die in US-Häfen anlegen und Teil einer Flotte sind, die in China gebaut oder registriert wurde. Geplant sind Gebühren von bis zu 1 Million US-Dollar pro Einlauf eines chinesischen Schiffes in US-Häfen oder alternativ bis zu 1.000 US-Dollar je Nettotonne Schiffskapazität.

Nicht nur chinesische Reedereien wären von der neuen Regelung betroffen.

Auch für Schiffe, die auf chinesischen Werften gebaut und von Unternehmen aus Drittstaaten betrieben werden, wäre die Sonderabgabe fällig. Davon betroffen wären auch deutsche Reedereien wie Hapag-Lloyd. Laut US-Regierung wurden 2023 mehr als 50 Prozent aller Containerschiffe in China gebaut, zudem kontrolliert China rund 95 Prozent der Containerproduktion. Somit würden fast alle großen Linienreedereien von den geplanten Strafgebühren betroffen sein.

Analysten zufolge könnten die Strafgebühren den Transport eines Containers von Schanghai an die Westküste der USA je nach Schiffsgröße um 300 bis 500 US-Dollar verteuern. Das entspräche einem Aufschlag von 7,5 bis 12,5 Prozent auf die aktuellen Frachtraten.

Quelle NDR

weitere Infos https://ustr.gov/

Chinas Reaktion mit Gegengebühren

Als direkte Reaktion auf die US-Maßnahmen hat das chinesische Verkehrsministerium am 14. Oktober 2025 eigene Hafengebühren für Schiffe eingeführt, die von US-Unternehmen, -Organisationen oder -Einzelpersonen betrieben oder besessen werden.

Die Gebühren richten sich nach der Nettotonnage oder der Anzahl der Container oder Fahrzeuge an Bord. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts sahen die Pläne vor, dass die Gebühren für chinesische Schiffseigentümer und -betreiber zunächst pro Tonne Fracht erhoben werden und jährlich steigen.

Die für in China gebaute Schiffe anfallenden Gebühren werden ebenfalls pro Tonne berechnet und steigen ebenfalls jährlich. Die Gebühren für nicht in den USA gebaute Autofrachter sollen sich nach der Anzahl der Fahrzeuge an Bord richten. Die Gebühren gelten für eine Rundreise mit mehreren US-Hafenanläufen. Laut USTR sollen sie sechs Monate nach der Ankündigung in Kraft treten. Selbst die gegenüber dem ersten Vorschlag abgeschwächten Pläne sind jedoch auf viel Kritik in der Schifffahrtsindustrie gestoßen. Daten von Pole Star Global9 zufolge gab es im vergangenen Jahr 14.295 Anläufe chinesischer Schiffe an 252 US-Häfen, was 18 Prozent aller Hafenanläufe entspricht. Die Schiffstypen reichten von Containerschiffen bis hin zu Massengutfrachtern. Von diesen Hafenanläufen betrafen 3.038 in China gebaute oder in chinesischem Besitz befindliche Schiffe.

Kostete der Transport eines Standard-40-Fuß-Containersvon Shanghai nach Rotterdam im Januar 2020 noch rund 2.000 US-Dollar, kletterten die Preise bis zum Oktober 2021 auf eine bisherige Höchstmarke von über 14.800 Dollar. Inzwischen liegen die Preise wieder deutlich niedriger

Sechs- bis siebenstellige Beträge beim Anlauf zahlen

Reeder, die mehr als 50 Prozent ihrer Schiffe in China geordert haben, sollen pro Anlauf knapp eine Million Euro zusätzlich zahlen. Wer mehr als 25 Prozent aus chinesischer Produktion hat, soll mit einem Zuschlag von knapp einer dreiviertel Million Euro belegt werden. Damit wollen die USA gegen die Vorherrschaft chinesischer Werften vorgehen, die für mehr als 50 Prozent des weltweiten Schiffbaus verantwortlich sind.

 Hapag-Lloyd: Ein Viertel der Schiffe aus China

Bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd stammt nach Angaben des Vorstandschefs Rolf Habben Jansen etwa ein Viertel der Schiffe aus China. Man wolle erst einmal abwarten, bis die Pläne konkret sind, so Habben Jansen bei einem Reedertreffen in dieser Woche in den USA. Sören Toft, Chef der weltgrößten Reederei MSC, spricht dagegen schon jetzt von erheblichen Auswirkungen, sollten die Pläne in der jetzigen Form durchgesetzt werden.

Quelle NDR

Quelle der folgenden Abbidungen: FAZ vom 3.Mai 2025

Deutsche Werften spielen heute im Internationalen Handelsschiffbau keine Rolle mehr.

Das war nicht immer so. Die Tanker spielten Anfang der Fünfzigerjahre eine wichtige Rolle beim Aufbau der deutschen Werften. Auch bei der Einführung der Containerschiffe waren deutsche Werften vorne dabei.

Der griechische Reeder Aristoteles Onassis ließ seine ersten Supertanker nach dem Zweiten Weltkrieg noch in Bremen, Kiel und Hamburg bauen. Der Grieche wurde so zum Retter des am Boden liegenden deutschen Schiffbaus. Mitte der 1950er-Jahre entfiel mehr als die Hälfte des Auftragsbestandes der deutschen Werften auf den griechischen Großreeder.

Anfang 1952 hatten die Howaldtswerke in Kiel den Auftrag erhalten, für die Firma World Tanker Inc. 8 Tanker mit einer Kapazität von 32500 DWT zu bauen. Man ging damals davon aus, dass dies die maximale Größe eines Tankschiffs sei und sprach von „Supertankern“.

Auch bei derAG Weser wurden von Onassis Anfang der Fünfzigerjahre Tanker bestellt

  Die „Olympic Cloud“ der erste Neubau nach Kriegsende auf ausländische Rechnung wurde im August 1952 auf Kiel gelegt. Sieben Monate hatte das Schiff auf dem Helgen bis zum Stapellauf gelegen. Durch Materialmangel kam es zu Verzögerungen und Teilweise zum Baustillstand.

Updated on 29. Januar 2026