Vom „Tag des Schiffsingenieurs“ zur SMM, eine maritimen Erfolgsgeschichte

Dr.-Ing. Karl-Heinz Hochhaus

1. Einführung  

Die Shipbuilding, Machinery & Marine Technology (SMM)gilt heute als weltweit führende Fachmesse für den Schiffbau und die maritime Zulieferindustrie. Doch ihre Ursprünge reichen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück – eng verbunden mit dem Berufsstand der Schiffsingenieure und deren Bestreben, Wissen zu teilen und die Öffentlichkeit für ihre Arbeit zu sensibilisieren. Ein zentraler Meilenstein dieser Entwicklung war der „Tag des Schiffsingenieurs“, der nicht nur als Plattform für den fachlichen Austausch diente, sondern auch den Grundstein für die spätere SMM legte.

Abbildung 1: Der Beginn, Schiffsantrieb mit der Dampfmaschine (Quelle Wikipedia)

2. Die Entstehung des Schiffsingenieur-Berufs

Mit der Einführung mechanischer Antriebe auf Schiffen (Abb. 1) vor rund 200 Jahren formierte sich ein neuer Berufszweig: der des Maschinisten. Ab 1891 mussten diese, abhängig von der Maschinenleistung und den Fahrtgebieten, praktische Erfahrungen nachweisen und Kenntnisprüfungen ablegen. Mit der zunehmenden Komplexität der Anlagentechnik (Abb. 2) wurde ab 1909 der Schiffsingenieur als eigenständiger Beruf etabliert. Um den Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung zu fördern, gründeten Schiffsingenieure und Seemaschinisten ab 1880 in den deutschen Küstenstädten erste Fachvereine. Diese Vereine spielten eine entscheidende Rolle bei der Professionalisierung des Berufsstandes und der Vertretung gemeinsamer Interessen.

3. Ortsvereine der Schiffsingenieure

Abbildung 2: Fahrstand des 1913 gebauten Hapag-Turbinenschiffes Bismarck, aus [1]

3.1 Bremerhaven, WIELAND (1927)

Die Wurzeln der WIELAND gehen bis zum „Maschinisten-Club“, der 1893 in Bremerhaven entstand. 1910 wurde daraus der „Verein der Schiffsingenieure Bremerhaven“ und schließlich die „WIELAND“ Vereinigung der Schiffsingenieure Bremerhaven, die im Jahr 1927 von Studenten und Dozenten der damaligen Schiffsingenieurschule in Bremerhaven gegründet wurde.

3.2 Hamburg, Vesiha später VSIH (1953)

Im September 1953 erfolgte im ehemaligen Seemannshaus am Hafen die Gründung des Hamburger Vereins „Vesiha“, der später in den „Verein der Schiffs Ingenieure zu Hamburg“ (VSIH)  umbenannt wurde. Vorläufer waren der „Maschinisten Klub von 1866“ mit Schwerpunkt Hapag, der später in „Schiffsingenieur-Klub von 1866“ umbenannt wurde [1]. Später wurde in Hamburg das Seemaschinisten Kollegium und weitere Vereine mit ähnlicher Zielsetzung gegründet.

3.3 Bremen (1953)

Der Verein der Bremer Schiffsingenieure wurde 1953 als „Kameradschaft der Schiffsingenieure in Bremen“ gegründet und 1957 in „Verein der Schiffsingenieure in Bremen“ umbenannt. Bereits vor dem Krieg gab es in Bremen eine Schiffsingenieurvereinigung, die ,,KOTURMO“. Diese Abkürzung stand für Kolbenmaschinen-Turbinen-Motoren. Es wird die später eingestellte Mitgliedszeitschrift „Der Antrieb“ herausgegeben, die auch die Mitglieder des Wieland erhalten haben.

Abbildung 3: Kaiser Wilhelm der Große holte das Blaue Band für den NDL (Quelle Wikipedia)

3.4 Flensburg STGF (1954)

1954 wurde die „Gesellschaft der Freunde und Förderer der Schiffsingenieurschule Flensburg“ gegründet, um den Ausbau der Schiffsingenieurschule zu unterstützen und Studenten zu fördern. 1979 wurde der Vereinsname geändert in „Schiffsbetriebstechnische Gesellschaft Flensburg“. Im gleichen Jahr der Gründung wurde ein Mitteilungsblatt namens „Briefkasten“ herausgegeben, besonders um die Kontakte auch nach dem Studium zu pflegen. Daraus entstand die Fachzeitschrift „Schiffsbetriebstechnik Flensburg“.

3.5 Rostock,  Verein der Schiffsingenieure zu Rostock (VSIR 1990)

Der „Verein der Schiffsingenieure zu Rostock“ wurde nach der Wiedervereinigung gegründet. Persönliche Mitglieder sind aktive und ehemalige Schiffsingenieure und technische Schiffsoffiziere aus dem Schiffsmaschinenbetrieb einschließlich der Ressorts Elektro- und Kältetechnik. Sie sind oder waren an Bord von Fahrzeugen der Handels- und Fischereiflotte oder der Marine als technischen Offiziere beschäftigt, unabhängig, welche Stufe eines Befähigungszeugnisses (in der Seefahrt traditionell Patent genannt) erworben wurde.

Abbildung 4: Tag des Schiffsingenieurs, historisches Bild des Informationsstandes der  Hamburger  Schiffsingenieure (Quelle SMM)

4. Dachverband Vereinigung Deutscher Schiffsingenieure (VDSI)

Die mitgliedsstarken Vereine aus Hamburg und Bremerhaven traten 1908 wegen Beitragserhöhungen aus dem übergeordneten „Verband technischer Schiffsoffiziere“ aus. Die Mitglieder dieser Vereine waren vorwiegend bei der Hapag oder dem Norddeutschen Lloyd (NDL) als technischer Inspektor, Schiffsingenieur oder Seemaschinist beschäftigt. Diese beiden Reedereien waren zu dieser Zeit die größten Reedereien der Welt, der NDL (Abb. 3) an Zahl der beförderten Passagiere und die Hapag an Zahl der Schiffe bzw. der Tonnage.

5. Der „Tag des Schiffsingenieurs: Vom lokalen Treffen zur überregionalen Fachveranstaltung

In den 1950er Jahren riefProf. Dipl.-Ing. G. Mau aus Flensburg den Tag des Schiffsingenieurs“ ins Leben [1]. Die Intention: den Berufsstand stärker in die Öffentlichkeit zu rücken und den Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft zu fördern. Aus der Flensburger Jahresversammlung entwickelte sich eine alle zwei bis drei Jahre an wechselnden Orten organisierte Veranstaltung (Abb. 4, 5).

Abbildung 5: Tag des Schiffsingenieurs, -Ankündigung  VDSI 1963 [1]

Meilensteine der Veranstaltung

  • 1958 (Flensburg): Die erste überregionale Tagung wurde mit dem VDSI organisiert und durch eine Begrüßungsansprache von Karl Heinz Mische (Vorsitzender der Bremerhavener Wieland) eröffnet.
  • 1961 (Flensburg): Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der örtlichen Schiffsingenieurschule fand der „Tag des Schiffsingenieurs“ wieder in Flensburg statt – ergänzt durch eine Ausstellung und Dokumentation schiffstechnischer Anlagen wie Schiffsdampfanlagen, Dieselmotoren und Elektrotechnik. Die Resonanz bei Reedern und der Schiffbauindustrie war groß.
  • 1963 (Hamburg): Der Hamburger Schiffsingenieurverein organisierte den „Tag des Schiffsingenieurs“ vom 22. bis 26. Mai und verknüpfte ihn mit der Fachausstellung „Schiff und Maschine“ auf dem Hamburger Messegelände. Die Ausstellung wurde am 23. Mai eröffnet und dauerte bis zum 26. Mai; die Tagung selbst fand am 24. und 25. Mai statt und endete mit einem Festball.
  • 1967 (Hamburg): Die Ausstellung wurde erneut in Hamburg durchgeführt und fand seitdem im zweijährigen Wechsel regelmäßig statt– ein entscheidender Schritt in Richtung der heutigen SMM.

Der „Tag des Schiffsingenieurs“ und die damit verbundenen Ausstellungen markieren den Beginn einer Entwicklung, die schließlich in der SMMmündete. Was als lokale Initiative von Schiffsingenieuren begann, wuchs zu einer internationalen Plattform für Innovation und Austausch in der maritimen Branche heran. Die historische Verbindung zwischen dem VDSI, dem „Tag des Schiffsingenieurs“ und der SMM unterstreicht die Bedeutung von Netzwerken und Fachveranstaltungen für den Fortschritt einer ganzen Industrie.

7. Ausstellung Schiff, Maschine und Meerestechnik (SMM)

An der SMM 2024 waren rund 2.200 Aussteller (vorwiegend Werften und Zulieferer (Abb. 6, 7, 8)) aus 100 Nationen in den komplett ausgebuchten 12 Messehallen auf rund 90.000 m² Ausstellungsfläche beteiligt. Es wurden rund 48.000 Besucher gezählt und es haben 29 Marinedelegationen teilgenommen. Das wichtigste Messethema in den Gesprächen und in den zahlreichen Expertenpanels war die Dekarbonisierung der Schifffahrt.

Abbildung 6: Lloyd Werft auf der SMM (Foto: Hochhaus)

Seit Januar 2024 ist die Schifffahrt in den europäischen Emissionshandel integriert, und Schiffe müssen ab 2025 ihre Emissionen melden. Betroffen sind große Fracht- und Passagierschiffe (ab 5.000 BRZ), die EU-Häfen anlaufen. Während 2024 40 % der Emissionen erfasst wurden, müssen für das Jahr 2026 für 100 % der Emissionen Handelszertifikate abgegeben werden. Der Preis für Emissionszertifikate (EUA) in der Schifffahrt orientiert sich am allgemeinen CO₂-Preis des EU-Emissions-Handelssystems (ETS). Der Marktpreis liegt derzeit bei etwa 80 Euro bis 90 Euro pro Tonne CO₂. Die Erlöse aus dem Zertifikats-Verkauf fließen in den Klima-Innovationsfonds der EU, durch den auch Maßnahmen zur Verbesserung des Klimaschutzes im europäischen Seeverkehr finanziert werden.

Abbildung 7 : Werften und Schiffe auf der SMM (Foto: Hochhaus)

Erfahrungen wurden gesammelt und werden auf der SMM 2026 auf den internationalen Konferenzen auf offenen Bühnen direkt in die Messehallen gebracht [2]. Sämtliche Formate bis auf eine Ausnahme sind für Inhaberinnen und Inhaber eines Messetickets kostenlos zugänglich. Ausgenommen ist die Reeder- Konferenz „TradeWinds Shipowners Forum“ mit den Schwerpunkten Geopolitische Krisen, Dekarbonisierung und Investitionsstrategien.

Die Konferenz „Maritime Future Summit“(MFS) blickt in die Zukunft der Schifffahrt und konzentriert sich auf aktuelle Innovationen, künstliche Intelligenz (KI), autonome Systeme und neue Technologien im Schiffsdesign. Experten diskutieren hier, wie die Reeder mit intelligenten Technologien die maritimen Wasserfahrzeuge zukünftig optimieren können.

     Der „Global Maritime Environmental Congress“ (gmec) widmet sich der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz. Im Mittelpunkt stehen alternative, grüne Kraftstoffe (wie Wasserstoff, Methanol oder Ammoniak) um die Schifffahrt zu dekarbonisieren.

     Die „International Conference on Maritime Security & Defence“ (MS&D) bringt Vertreter von Marinen, Regierungen und der Verteidigungsindustrie zusammen, um über maritime Sicherheitssysteme zu diskutieren. Wichtige Themen sind Cybersicherheit, Dual-Use-Anwendungen und unbemannte Systeme.

Abbildung 8:Reger Besucherverkehr-auf der SMM (Foto: Hochhaus)

7. Zusammenfassung

Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Maschinisten und Schiffsingenieure betrachten wir die fünf Schiffsingenieur-Vereine an der deutschen Küste. Sie haben sich zu einem Dachverein zusammengeschlossen, der durch die gemeinsame Klammer „Tag des Schiffsingenieurs“ verbunden wurde. Diese Klammer hat zur Ausstellung „Schiff und Maschine“ geführt, die später umbenannt wurde in „Schiff, Maschine, Meerestechnik“ abgekürzt SMM. Aus dem „Tag des Schiffsingenieurs“ ist inzwischen die größte maritime Messe geworden, die alle zwei Jahre in Deutschland durchgeführt wird und inzwischen als Kooperationsveranstaltung auch in Indien stattfindet.

Das wichtigste Thema der SMM 2026 wird  die CO₂- Problematik und Dekarbonisierung in der Schifffahrt sein. Auf fünf offenen Bühnen sollen Vorträge und Diskussionen dazu in internationalen Konferenzen, Panels und Debatten direkt in den Messehallen durchgeführt werden, die für alle Besucher kostenlos zugänglich sind. [2].

8. Literatur

[1] Bösche, K., Hochhaus, K.-H. u. a.: Dampfer, Diesel und Turbinen: Die Welt der Schiffsingenieure; 2005 Hamburg. CONVENT Verlag

[2] https://www.smm-hamburg.de/

Updated on 22. August 2026